Mexiko Waldregeneration & Stärkung der indigenen Selbstverwaltung
 

Waldregeneration und Stärkung der indigenen Selbstverwaltung von Naturgütern in den Bergen von Guerrero in Mexiko

 

Hintergrund

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik, Geographie und Informatik (INEGI) sind im Bundesstaat Guerrero 14 % der Bevölkerung indigen. In der Region La Montaña sind es sogar 70 %, diese gehören den Völkern der Nahua, Ñu Savi und Me'phaa an. Malinal-tepec hat die höchste Rate an Marginalisierung im Bundesstaat Guerrero. Die Lebensbedingungen verschlechtern sich zunehmend durch die Übernutzung natürlicher Ressourcen. Die Region ist erdbebengefährdet und die Siedlungen befinden sich an den Berghängen. Dies macht sie aufgrund der Bodenbeschaffenheit anfällig für Erdrutsche.

 

Im Laufe der Jahrhunderte hatten die lokalen Gemeinschaften Lebensweisen entwickelt, die eng mit der nachhaltigen Nutzung von Waldprodukten verbunden waren. Beispiele dafür sind Nahrung, Medizin, Brennholz, Bauholz, Naturfasern und Heilmittel.

Übermäßiger Holzeinschlag, dazu die langsame Regeneration einiger Baumarten, führen zu einer ständigen Störung des Waldökosystems. Als Folge sind jetzt die Wälder ausgedünnt und die ökologische Integrität wurde zerstört. Dazu tragen auch die Rodung von Land für die Viehzucht bei. 

 

Diese Degradierung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Zersplitterung des sozialen Gefüges der indigenen Bevölkerung führen zu einer vermehrten Abwanderung in die Städte. Auf der Suche nach wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Dies bedroht den Erhalt und die Weitergabe von indigenem Kulturgut an die nächste Generation.

 

Projektziele

Das Projekt soll dazu beitragen, die soziale und ökologische Widerstandsfähigkeit der indigenen Gemeinden in der Sierra de Guerrero in Mexiko gegenüber den Auswirkungen des globalen Klimawandels zu erhöhen. Es zielt insbesondere darauf ab, interne und externe Ressourcen zu mobilisieren und zu erhalten, um ein selbstbestimmtes und ökologisch widerstandsfähiges Entwicklungsmodell in mindestens fünf indigenen Gemeinden des Agrarzentrums von Malinaltepec (Moyotepec, Ojo de Agua, La Soledad, La Ciénega und El Obispo) umzusetzen.

 

Projektmaßnahmen

1. Partizipative Diagnose und Kartierung der Forst-Ressourcen (Basisstudie)

Gemeinsam mit dem Kommissariat für Gemeinschaftsgüter wird eine Kartierung der in der Region vorhandenen, in Gemeinschaftseigentum befindlichen Ressourcen durchgeführt. Ziel ist es die Lebensgrundlagen der Bevölkerung, traditionelle und bessere Praktiken der Nutzung von lokalen Ressourcen, zu identifizieren. Die Ergebnisse der Kartierung werden in erster Linie in den Gemeinden verbreitet. Durch Materialien, die in die lokalen Sprachen übersetzt werden. Diese werden in Kartenmaterial festgehalten, welches in 8 Workshops gemeinsam entworfen und dem lokalen Kommissariat überlassen wird.

 

2. Formulierung von Waldbewirtschaftungsempfehlungen und Aufforstung

Es wird die notwendige Diagnostik durchgeführt, um die ökologischen und nutzungsrelevanten Eigenschaften des Waldes, die Ursachen für die Verschlechterung des Zustandes und die notwendigen Maßnahmen für seine Wiederherstellung zu verstehen. Dies schließt die Analyse der aktuellen Produktionssysteme vor Ort ein. Anschließend werden Experimente zur Wiederherstellung von Roteichen und anderen einheimischen Arten durchgeführt. Um die Aufforstung auf Gemeindeebene zu initiieren, werden an vier ausgewählten Standorten Baumschulen aufgebaut. Da die Keimlinge jedoch zunächst Zeit zum Wachsen benötigen – dies erhöht ihre Überlebensrate beim Auspflanzen deutlich – werden zur Demonstration der Aufforstung in Gemeinschaftsarbeit ca. 2.000 Setzlinge einheimischer Baumarten aus Baumschulen hinzugekauft und angepflanzt. Die gemeinschaftliche Aufforstung stärkt die soziale Kohäsion und die Identifikation mit den Maßnahmen.

 

3. Entwurf, Implementierung und Evaluierung eines modularen Programms zur Stärkung der kommunalen Waldbewirtschaftung mit Studierenden

Für die 13 Mitglieder des Kommissariats für gemeinschaftliches Eigentum von Malinaltepec wird ein modulares Programm zur Stärkung der kommunalen Waldbewirtschaftung konzipiert, umgesetzt und evaluiert. Während dieses Prozesses werden 39 Studierende der Interkulturellen Universität von Guerrero (UIEG) einbezogen, um ihre Fähigkeiten im Unterrichten und in der Lehrplangestaltung zu stärken. Damit können sie die Trainingserfahrung in den Gemeinschaftskontexten, aus denen sie kommen, systematisieren und replizieren. Während des Prozesses werden 2 Gemeindevermittler*innen, die dem Kommissariat angehören, für die Bewertung von Gemeinschaftsgütern und für die Wiederherstellung von Ökosystemen ausgebildet. Damit werden Kapazitäten bzgl. Bewertung und Management der Gemeinschaftsgüter vor Ort und im Kommissariat als Organ der indigenen Selbstverwaltung installiert. Während des gesamten Projekts werden Gebiete identifiziert, die für die Umsetzung von Plänen zur Wiederherstellung von Gemeindewäldern geeignet sind.

 

4. Partizipative Nutzungsdiagnose Brennholz

Mit einer Gruppe ausgewählter Ortschaften, die nach der Basisdiagnose und auf der Grundlage des festgestellten Bedarfs und Willens zur Teilnahme (Durchführbarkeit) bestimmt werden, wird eine gemeinschaftliche Kartierung von Gemeinschaftsgütern und eine Diagnose der Faktoren der Walddegradierung sowie der Gewohnheiten im Zusammenhang mit dem Kochen und der Brennholznutzung durchgeführt. Die partizipative Arbeit mit den Gemeinschaften zum Thema Brennholznutzung ermöglicht die Erfassung der materiellen und immateriellen Ressourcen der Gemeinschaften, die Kenntnis ihrer Nutzung und eine Planung, die auf ihren eigenen Bedürfnissen basiert. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden mittels einer diagnostischen Kartierung der Umweltzerstörung und der Gewohnheiten im Zusammenhang mit der Verwendung von Koch- und Brennholz festgehalten. Die Ergebnisse werden dokumentiert und in Anschauungsmaterialien festgehalten, um sie weiter zu verbreiten.

 

5. Sensibilisierung der Gemeinden für eine nachhaltige Forstwirtschaft

Ein partizipativer Schulungsprozess durchgeführt, um die Bevölkerung für die nachhaltige Bewirtschaftung der Holzressourcen zu sensibilisieren, einschließlich der regenerativen Nutzung bedrohter Arten. Zu diesem Zweck werden Workshops mit den Gemeindemitgliedern durchgeführt und Anschauungsmaterialien erstellt. Darüber hinaus werden Aufforstungsübungen mit lokalen Arten durchgeführt, beginnend mit der Auswahl der Samen, der Keimung und der Pflanzung.

 

6. Partizipative Entwicklung und Testung von holzsparenden Kochöfen

Im Rahmen der Aktivitäten zur nachhaltigen Holzbewirtschaftung wird mit einer Gruppe von 50 Frauen gearbeitet, die an der Entwicklung eines an die Region angepassten holzsparenden Ofens interessiert sind, der den zentralen Ofen in ihren Häusern ersetzen soll. Es werden 50 Öfen gemeinschaftlich gebaut und installiert. Dies bringt mehrere Vorteile mit sich: Die Abholzung wird reduziert, die Treibhausgasemissionen werden gemindert, der Rauch wird aus dem Haus abgeleitet, was dieses in einem besseren Zustand hält und Atemwegserkrankungen vorbeugt.

 

7. Verbreitung und Vernetzung mit dem Ziel der Ausweitung auf höhere Integrationsebenen (national, regional, international)

Der Austausch von Wissen durch die Erfahrungen, die auf Seminaren und Konferenzen auf verschiedenen Ebenen (national und regional) gemacht wurden, wird es dem Team des lokalen Projektträgers ermöglichen, neue Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Netzwerkbildung und Internationalisierung zu erschließen. Es wird die Gemeinschaften auch dazu motivieren, zu zeigen, dass die geleistete Arbeit über die lokale Ebene hinaus Bedeutung und Wirkung hat, indem sie Erfahrungen weitergeben und neue Ideen und Erkenntnisse einbringen, die durch Verbreitung und Austausch entstehen.

 Luftbild Wald in den Bergen von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Männer bei der Diagnostik | Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Indigene Frauen beim Arbeiten |  Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Indigene Frauen beim Arbeiten |  Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Indigene Frauen beim Arbeiten |  Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Indigene Frau beim Arbeiten und aufbauen einer neuen Kochstelle |  Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Indige Frau zeigt fertigen neuen Ofen |  Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Waldstück in den Bergen von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Indigene Bevölkerung erlernt Lebensmittel-Kentnisse | Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Studenten bei der Vorlesung | Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Studenten bei der Sichtung des Waldzustandes | Berge von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund
 Studenten auf einem Rundgang durch Waldgebiete in den Bergen von Guerrero in Mexiko | GlobalNatureFund

Förderer

 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
 

 

Beitrag zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UN

Das Projekt soll einen konkreten Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) leisten:

 Ziel 1: Armut in jeder Form und überall beenden
 Ziel 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
 Ziel 17: Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben
 

 

Projektpartner

Cooperación Comunitaria (CC) ist eine 2012 gegründete Nichtregierungsorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebensbedingungen ländlicher Gemeinden in Mexiko zu verbessern und ihre Verwundbarkeit zu verringern, indem sie ein nachhaltiges Selbstmanagement auf soziokulturellem, produktivem, konstruktivem und ökologischem Gebiet fördert. Das Kernelement, um einen integralen Prozess anzustoßen, ist Partizipation - die Fähigkeit der Gemeinschaften, selbst zu Agenten des Wandels zu werden.

Projektpartner

 Logo Cooperación Comunitaria
 

 

Kontakt

Thies Geertz

Global Nature Fund (GNF) - Büro Radolfzell

Tel.: +49 7732 9995 83

E-Mail: geertz@globalnature.org

 
 

Projektzeitraum:

 

Projektland: 

 

Projektpartner:

 

Förderer: 

15. November 2021 - 14. November 2023

 

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Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)