Die Entdeckung der Schnelligkeit – Ausbreitung der Wasserhyazinthe im Viktoriasee

 
 
 Wasserhyazinthe

Quelle: http://encyclopedia.thefreedictionary.com/

 

Seit Jahrzehnten verändert der Viktoriasee sein Gesicht. Was für den Einen eine hübsche Aquarienpflanze, ist für die Bewohner des Viktoriasees eine regelrechte Pest. Riesige Flächen des Gewässers sind von einer Pflanzenart regelrecht befallen: stationär, an den Rändern des Sees oder mobil, in Form von schwimmenden Matten auf der Wasseroberfläche. Es handelt sich um die Wasserhyazinthe, Eichornia crassipes.

 
 

Allgemeines
Die Wasserhyazinthe gehört zu den Hechtkrautgewächsen (Pontederiaceae) und ist eine dickstängelige Pflanze, die sich insbesondere in feuchtwarmen Gebieten, d.h. in den Tropen und Subtropen in Nord- und Südamerika, Afrika, Australien und Asien ausbreitet.

 

Aus den meisten Literaturquellen geht hervor, dass die Pflanze aus Südamerika importiert wurde, um als Zierpflanze in Teichen eingesetzt zu werden. Niemand ahnte, dass diese Pflanze zu einer regelrechten Pest werden sollte.

 

Die Pflanze vermehrt sich innerhalb weniger Monate so drastisch, dass ihr Wuchs nicht zu kontrollieren ist. Sie beherbergt Moskitos, die als Krankheitsträger und -multiplikator dienen, und Schnecken, die Krankheiten, wie das Schneckenfieber auslösen.

 

Rückgang von Fischarten
In Bereichen hoher Pflanzendichte ist der Cichliden-Fischbestand gering. Die Pflanze verhindert photosynthetische Prozesse, die den Sauerstoffgehalt im Wasser reduzieren. Zusätzlich entstehen aphotische (lichtlose) Verhältnisse, was den Fischen jegliche Lebensgrundlage nimmt. Hierzu tragen auch die veränderte Nährstoffzusammensetzung (von einer vielseitigen Fauna hin zu einer beinahen Monokultur) und somit das verminderte Angebot an Phytoplankton bei. Die Auswirkung der Pflanze schlägt sich also auf die gesamte Biodiversität des Viktoriasees nieder.

 

Hindernis für die Fischerei und die Versorgung mit Strom
Neben der verminderten Wasserqualität gibt es Probleme beim Transport: Für viele der Fischer Kenias ist der See zu einem undurchdringlichen Teppich geworden. Anlegestellen sind zugewuchert und Wasserwege können aufgrund der Pflanzendichte nicht durchfahren werden. So wie die Bootsmotoren Schaden nehmen, besteht auch die Gefahr, dass die Turbinen der vorhandenen Wasserkraftwerke - wie z.B. an den Owenwasserfällen - verstopfen bzw. beschädigt werden und somit die Versorgung mit Elektrizität nicht mehr zuverlässig gewährleistet werden kann.

 

Was tun?
Als eine der ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Wasserhyazinthen wurden Mähmaschinen eingesetzt. Der Einsatz von Herbiziden wurde weitestgehend vermieden, da dies nur eine Substitution einer Umweltbeeinträchtigung mit einer anderen ist und die Pflanze zudem nicht gänzlich nachhaltig beseitigt.

 

Der Einsatz von Auffangnetzen vor den Mündungen von Zu- und Abflüssen in und aus dem See ist aufgrund der Hyazinthmassen unzulänglich. Tatsache ist, dass Flüsse wie der Nil ein riskanter Multiplikator der Wasserhyazinthe durch ihren Transport ist. 

 

Eine hoffnungsvolle, biologische Lösung ist der Einsatz von Rüsselkäfern (Curculionidae), die sich fast ausschließlich von lebenden oder abgestorbenen Pflanzenteilen ernähren. Rüsselkäfer, Neochetina eichhorniae und N. bruchi, dienen als Bioindikatoren, da die Käferfauna ein Abbild des Zustandes ihres Lebensraums ist. Sie sind mono- oder oligophag, d.h. an eine einzige oder weniger nahe verwandte Wirtspflanzen gebunden. Dies bedeutet, dass im Viktoriasee die Wasserhyazinthe die Hauptnahrungsquelle der Käfer ist. In einigen Gewässern Kenias wurden Rüsselkäfer bereits erfolgreich eingesetzt. So verringerte sich die Fläche mit Wasserhyazinthen von 20.000 auf 2.000 ha innerhalb von fünf Jahren.

 

Die Pflanzenpest ist nicht nur am Viktoriasee ein Problem. Auch in anderen afrikanischen Seen und vielen anderen Gewässern in Asien, Nord- und Südamerika, wie am Chapala See in Mexiko, herrscht dieses Problem. In Afrika wird zur Abhilfe versucht, einen Nutzen aus der Pflanze zu ziehen. So wird sie beispielsweise zur Herstellung von Möbeln und der Produktion von Biogas verwendet. Die Weiterverarbeitung der Pflanze sowie mangelnde technische Grundlagen ersticken solche Vorhaben jedoch oftmals bereits im Keim.

 

Radolfzell, Dezember 2004


Autorin und weitere Informationen:
Sirit Coeppicus (Projektassistentin)
Global Nature Fund (GNF)
Internationale Stiftung für Umwelt und Natur
Fritz - Reichle - Ring 4
D - 78315 Radolfzell, Germany
Telefon: + 49 - 77 32 - 99 95 - 0
Telefax: + 49 - 77 32 - 99 95 - 88
Email: info@globalnature.org

 
 
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