Für mehr Biodiversität in der Lebensmittelbranche
 

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Für mehr Biodiversität in der Lebensmittelbranche

Der diesjährige Tag der Biologischen Vielfalt setzt den Fokus auf die Artenvielfalt als Grundlage für unsere Ernährung und Gesundheit. Biodiversität ist aber besonders von der intensiven Landwirtschaft bedroht und es fehlt an Maßnahmen und Anreizen, um die Biologische Vielfalt auf den Feldern zu fördern. Vor diesem Hintergrund bieten die Partner im Projekt EU LIFE Food & Biodiversity umfangreiche Schulungsunterlagen für Berater, Zertifizierer sowie Produkt- und Qualitätsmanager der Lebensmittelbranche an.

Laut dem Anfang Mai veröffentlichten Artenvielfalt-Report des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sind eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Als Hauptursache identifiziert der Bericht Landnutzungsänderungen durch die intensive Landwirtschaft. Damit ist unser Ernährungssystem direkt bedroht: Über 9 Prozent der Nutztierrassen sind bereits ausgestorben. Die Degradierung der Böden hat bereits zu einem Verlust der Produktivität auf 23 Prozent der globalen Landfläche geführt und zwischen 235–577 Milliarden Dollar jährlicher Ernteertrag sind durch den Verlust von Insekten gefährdet.
 
„Die Lebensmittelbranche hat eine besondere Verantwortung für den Schutz der Biologischen Vielfalt, die sie noch nicht ausreichend wahrnimmt und damit ihre eigene Ertragsgrundlage in Gefahr bringt. Lebensmittelunternehmen und -standards müssen Kriterien zum Schutz und zur Entwicklung der Biologischen Vielfalt in ihren Vorgaben verankern und Landwirte bei der Umsetzung solcher Maßnahmen unterstützen" sagt Stefan Hörmann, Leiter des Bereichs Unternehmen und Biodiversität des Global Nature Fund (GNF).
 
Im Projekt EU LIFE Food & Biodiversity haben sieben europäische Projektpartner umfangreiche Schulungsunterlagen für Berater und Zertifizierer sowie Produkt- und Qualitätsmanager der Lebensmittelbranche entwickelt. Die Unterlagen enthalten Leitlinien für ein gutes Biodiversitätsmanagement und sehr gute fachliche Praxis sowie Maßnahmenbeschreibungen zur Förderung der Biodiversität auf dem Feld. „Bisher werden Auditoren, Berater von Zertifizierungsstandards und Produktmanager von Lebensmittelunternehmen selten zu Schlüsselaspekten der Biodiversität geschult. Das Schulungsmaterial des Projekts trägt zur Verbesserung der Beratungsqualität bei und hilft bei der Bewertung von Biodiversitätsaspekten im Anbau von Obst, Gemüse, Getreide oder bei der Grünlandhaltung," berichtet Hörmann. Ein erster Schritt für Lebensmittelunternehmen kann es sein, Biodiversity Action Pläne von Lieferanten und Landwirten einzufordern. Diese Pläne helfen Landwirten dabei, die Biologische Vielfalt auf dem Acker strategisch zu fördern und zu überwachen. Dabei sind Lebensmittelunternehmen aufgefordert, sich an den Kosten für mehr Biodiversitätsschutz zu beteiligen.

Der diesjährige Internationale Tag der Biologischen Vielfalt der UN steht unter dem Motto „Our Biodiversity, Our Food, Our Health". Das Thema soll Bewusstsein dafür schaffen, dass die Lebensmittelindustrie, unsere Ernährung und Gesundheit von der Biologischen Vielfalt und intakten Ökosystemen abhängig ist. Wie wichtig der Schutz und die Entwicklung der Biologischen Vielfalt für die Zukunft unserer Ernährung sind, zeigte auch der Bericht der Food and Agriculture Organization der UN (FAO) zum Zustand der weltweiten Biodiversität für Ernährung und Landwirtschaft vom Januar 2019. Der erste Bericht seiner Art lieferte beunruhigende Beweise dafür, dass die Biologische Vielfalt, die unseren Ernährungssystemen zugrunde liegt, weltweit verschwindet und damit die Zukunft unserer Lebensmittel, unserer Lebensgrundlagen, unserer Gesundheit und Umwelt gefährdet.
 
An den Trainingsmaterialien interessierte Unternehmen und Standardorganisationen können diese kostenlos herunterladen und Informationen zu den angebotenen Seminaren anfordern.
www.business-biodiversity.eu/de/biodiversitaet-training
 
Hintergrund
Das europaweite Projekt LIFE Food & Biodiversity wird vom Global Nature Fund, der Bodensee-Stiftung, der Agentur AUF! (Deutschland), der Fundación Global Nature (Spanien), Solagro und agoodforgood (Frankreich) und dem Instituto Superior Técnico (Portugal) getragen. Das Projekt wird gefördert vom EU LIFE Programm sowie von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und ist als Kerninitiative des UN Sustainable Food Systems Programms anerkannt. Das Ziel ist, den Schutz der Biodiversität in der Lebensmittelbranche zu verbessern. Die Standards UTZ, Fairtrade Deutschland, UEBT und Gesicherte Qualität Baden-Württemberg sowie die Unternehmen Nestlé und Kaufland gehören zu den Partnerorganisationen, die das Projekt inhaltlich und finanziell unterstützen.
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