Steigendes Bewusstsein für Biodiversität in Deutschland

Das Bewusstsein für Biodiversität in Deutschland ist in den letzten 10 Jahren stark gestiegen, zeigt das gestern veröffentlichte Biodiversity Barometer 2018 der Union for Ethical BioTrade. Verbraucher erwarten von Unternehmen, dass sie die Biologische Vielfalt respektieren – das Vertrauen ist noch gering.

 
Paris / Bonn, 20.06.2018: Die neue Verbraucherumfrage der Union for Ethical BioTrade (UEBT) zeigt, dass das Bewusstsein für Biodiversität bei Konsumenten in Deutschland stetig wächst. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Personen, die von Biodiversität gehört haben, von 29 % auf 53 % gestiegen. Die Mehrheit der deutschen Befragten (74 %) ist der Meinung, dass "Unternehmen eine moralische Verpflichtung" haben, den Schutz der Biologischen Vielfalt und das Wohl der Menschen bei der Beschaffung natürlicher Rohstoffe zu berücksichtigen. Nur 43 % der Befragten sind jedoch "zuversichtlich, dass Unternehmen diesen Themen ernsthaft Aufmerksamkeit schenken".

UEBT hat die neue Ausgabe des Biodiversity Barometer veröffentlicht. Der Bericht bietet neue Erkenntnisse aus einem Jahrzehnt Forschung zum Biodiversitätsbewusstsein bei mehr als 60.000 Verbrauchern in sechzehn Ländern.

Dr. Cristiana Paşca Palmer, Exekutivsekretärin des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt der Vereinten Nationen, äußert sich zum Bericht: "Es ist vielversprechend, dass Verbraucherinnen und Verbraucher von Unternehmen Taten erwarten. Dieser Trend verdeutlicht die klare Chance für Unternehmen, Biodiversität in den Mittelpunkt ihres Geschäftsmodells zu stellen. Das Biodiversity Barometer zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um das globale Ziel zu erreichen, alle Menschen für Biodiversität zu sensibilisieren. Es muss allerdings noch viel mehr getan werden."

Alnatura und Weleda sind die bekanntesten Marken
Auf die Frage, welche Marken das Wohl von Menschen und die Biologische Vielfalt respektieren, wurde Alnatura von den deutschen Konsumenten am häufigsten erwähnt. 17 % der Befragten nannten das Unternehmen. Bei den weiblichen Konsumenten steht Weleda an erster Stelle, 21 % von ihnen kennen die Marke.

Stefan Hörmann, Leiter Unternehmen und Biologische Vielfalt beim Global Nature Fund (GNF), sagt: "Unternehmen müssen sich der großen – auch wirtschaftlichen – Bedeutung von Biodiversität bewusst werden. Eine gute Biodiversitätsstrategie eröffnet Chancen zur Marktdifferenzierung und trägt dazu bei, die wachsende Nachfrage der Verbraucher zu befriedigen". Der GNF arbeitet mit UEBT und anderen Partnern aus dem Lebensmittelsektor im EU-Projekt LIFE Food & Biodiversity zusammen, um die Biodiversitätsleistung von Standards und Labels in der europäischen Lebensmittelindustrie zu stärken. "Labels und Standards können zur Stärkung der Biodiversität, zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie, beitragen. Sie bieten Verbrauchern wertvolle Orientierung bei ihren Einkaufsentscheidungen und ermutigen Unternehmen, ihre Prozesse auf eine biodiversitätsfreundliche Beschaffung und Produktion auszurichten", fügt Hörmann hinzu.

Laut Biodiversity Barometer hat die deutsche Bevölkerung einen starken persönlichen Bezug zu Biodiversität. 71 % der Befragten sind sich sicher, dass es "sie persönlich betrifft", wenn die Biologische Vielfalt verschwindet. Für die Befragten ist der Erhalt der Biodiversität wichtig für ihr persönliches Wohlbefinden und das künftiger Generationen: Mehr als 80 % geben an, dass Biodiversität ihre Lebensqualität fördert. Viele der Befragten möchten persönlich zum Erhalt der Biodiversität beitragen, wissen aber nicht wie. 68 % der deutschen Befragten sind sich einig, dass ihnen der Kauf von Produkten, die die Biologische Vielfalt respektieren, "ein gutes Gefühl gibt".
 
"Das wachsende Bewusstsein, zusammen mit einer deutlichen Diskrepanz zwischen dem, was Verbraucher von Marken erwarten und wie wenige Marken, die sich engagieren, sie tatsächlich nennen können, zeigt eine unglaubliche Chance für Unternehmen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Marke zu positionieren", sagt Rik Kutsch Lojenga, Geschäftsführer von UEBT und ein weltweit führender Experte für ethische Beschaffung.

Das Biodiversity Barometer wurde auf der Beauty of Sourcing with Respect Conference vorgestellt, einer jährlichen Konferenz in Paris, bei der Führungskräfte globaler Kosmetikmarken, Unternehmensentscheider aus den Branchen Lebensmittel, Naturheilmittel und Körperpflege sowie Experten gemeinnütziger Organisationen und politische Entscheidungsträger zusammenkommen.


Informationen
Biodiversity Barometer
UEBT beauftragt unabhängige Marktforschungsunternehmen mit der Durchführung von Verbraucherumfragen für das UEBT Biodiversity Barometer. Die Interviews werden mit nationalen repräsentativen Stichproben von 1.000 Personen pro Land durchgeführt. Den vollständigen Bericht und weitere wichtige Zitate und Statistiken nach Ländern, Verbrauchergruppen und Top-Marken finden Sie unter: www.biodiversitybarometer.org.
 
Union for Ethical BioTrade (UEBT)
UEBT ist ein gemeinnütziger Verein, der die ethische Beschaffung fördert. Er unterstützt und überprüft das Engagement von Unternehmen, die durch Innovationen zu einer Welt beitragen, in der das Wohl von Menschen und Biodiversität gesichert ist. Weitere Informationen finden Sie unter: www.uebt.org
 
Global Nature Fund (GNF)
Der Global Nature Fund ist eine gemeinnützige internationale Stiftung für Umwelt- und Naturschutz mit Sitz in Radolfzell, Bonn und Berlin. Die Stiftung unterstützt Unternehmen aller Branchen bei der Integration von Biodiversität in ihre Unternehmensführung. Das aktuelle Projekt "Biodiversitätskriterien in Standards und Labels für die Lebensmittelbranche", gefördert durch das EU LIFE-Programm, hat zum Ziel, die Biodiversitätsleistung von Standards und Labels in der Lebensmittelindustrie zu verbessern. Weitere Informationen finden Sie unter: www.food-biodiversity.eu
 
Beauty of Sourcing with Respect Conference
Seit 2008 organisiert UEBT jährlich die Beauty of Sourcing with Respect Konferenz. Die diesjährige Ausgabe wird von UEBT-Mitgliedern (Natura, Symrise, Weleda) und Partnern wie L'Oréal, ABS Capacity Development Initiative der GIZ sowie der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) unterstützt. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die UEBT Website: www.uebt.org
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