Bedrohte Seen des Jahres 2018:

Bolgoda See und Madampe See - Sri Lanka

 

Hintergrundinformationen und Interviews

 

Pressemeldung des GNF zu den Bedrohten Seen des Jahres 2018

 

Interview mit Lal Emmanuel (in englischer Sprache)

Direktor von Nagenahiru Foundation - Center for Conservation of Lakes and Wetlands, Sri Lanka, Madampe See

 

Interview mit Ekanayake Abeyrathne (in englischer Sprache)

Direktor von EMACE Foundation of Sri Lanka, Bolgoda See

Die Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) erklärt die sri-lankischen Seen Bolgoda und Madampe zu den "Bedrohten Seen des Jahres 2018". Anlässlich des Weltfeuchtgebietstages macht der GNF auf die fortschreitende Zerstörung dieser wichtigen Ökosysteme aufmerksam.

 

Wasserverschmutzung, Abholzung von Mangrovenwäldern und Zerstörung von Lebensräumen für Bebauung gefährden die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung und vieler gefährdeter Arten in den Seenregionen Bolgoda und Madampe im Südwesten Sri Lankas. Die einzigartigen Mangrovenwälder Sri Lankas mit einer spektakulären Artenvielfalt sind durch zunehmende menschliche Aktivitäten und die Auswirkungen des Klimawandels bedroht.

 

Tausende von Menschen sind von den Folgen der Zerstörung und Verschmutzung der beiden einzigartigen Seen-Ökosysteme betroffen. Die Zerstörung der Mangrovenwälder, z. B. für den Bau von Hotelkomplexen und Bungalows, gefährdet die Existenzgrundlage der Menschen in der Region. Außerdem verschlechtern unzureichend gereinigte Abwässer aus Landwirtschaft und Industrie die Wasserqualität dramatisch. Dies betrifft nicht nur die Umwelt, sondern auch eine große Zahl von Fischern und anderen einheimischen Bevölkerungsgruppen, deren Lebensunterhalt und Nahrungsressourcen von den Seen abhängen.

 

Mangroven – ein außergewöhnliches Ökosystem

Mangroven bilden die Grundlage für viele Küstenfischereien, wirken als natürliche Schutzschilde gegen Stürme und Tsunamis und bilden große Kohlenstoffsenken. Zusammen mit Korallenriffen und tropischen Wäldern gehören Mangroven zu den produktivsten und zugleich bedrohtesten Ökosystemen der Erde. Garnelen, Krabben und Fische nutzen die verzweigten Räume zwischen den Wurzeln als Unterschlupf, Laichplatz und Nahrungsquelle. Mangroven spielen daher eine wichtige Rolle als Lebensraum für viele kommerziell wichtige Arten, wie Garnelen und verschiedene Fischarten. Mangroven verschwinden in alarmierender Geschwindigkeit: Seit 1980 wurden weltweit mehr als 20 %, das sind 3,6 Millionen Hektar, Mangrovenwälder vernichtet (UNEP, 2014).

 Lal Emmanuel
 Ekanayake Abeyrathne
 Vor der Reinigungsaktion
 Reinigungsaktion am Bolgoda See
 Mangroven sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tierarten.
 

Bolgoda See

Mit einer Fläche von 374 Quadratkilometern ist der Bolgoda See eine der größten Süßwasserquellen im westlichen Distrikt Sri Lankas. Der See hat eine reiche Artenvielfalt und aufgrund seiner natürlichen Schönheit ist das touristische Potential in der Region, die an die Hauptstadt Colombo grenzt, sehr hoch. Der See ist jedoch durch Eingriffe in die ihn umgebenden Schutzzonen, Mülldeponien von Besuchern und industrielle Schadstoffe, die in den See eingeleitet werden, stark gefährdet. Mangrovenlebensräume wurden gerodet und in Reisfelder umgewandelt oder für den Bau von Hotels und Bungalows genutzt. Die Zerstörung und Abholzung der Mangrovenwälder hat die Einnahmen aus der Fischerei drastisch reduziert.

 

Rund 166.000 Menschen leben in der Region direkt um die Feuchtgebiete herum. Der Bolgoda See ist ein sehr artenreiches Ökosystem mit einer Vielzahl von Mangrovenarten und anderen terrestrischen, semiaquatischen und aquatischen Arten. Die große Herausforderung liegt im hohen Nutzungsdruck durch die angrenzenden Siedlungen. Die Zerstörung von Mangroven führt zu einer Verschlechterung der Flora- und Faunabestände und verstärkt die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf lokale Bevölkerungsgruppen. Langfristig leiden die Menschen unter dem Rückgang der Fisch- und Krustentierpopulationen, denen Mangroven als wichtige Laichplätze dienen. Andere Probleme wie die Bodenerosion und der Anstieg des Meeresspiegels führen zu zunehmender Armut und sozialen Konflikten.

 
 Baumaßnahmen am Ufer des Bolgoda Sees.
 Eine invasive Pflanzenart ist Eichhornia crassipes - auch als Japan Jabara in Sri Lanka bekannt.
 In geschützten Gebieten kehren Tier- und Pflanzenarten zurück.
 

Madampe See

Das Feuchtgebietssystem des Madampe Sees liegt an der Südwestküste Sri Lankas, das eine einzigartige Artenvielfalt beherbergt sowie eine Vielzahl von Vegetationstypen, vor allem Mangroven und Marschland. Die strukturreiche Mischung der Vegetationstypen und das Vorhandensein von kleinen und großen Inseln innerhalb des Sees haben die Feuchtgebiete zu einem idealen Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten gemacht. Neben zahlreichen Arten von Wirbellosen, Amphibien, Reptilien und Säugetieren wurden insgesamt 83 Vogelarten aus 36 Familien erfasst. Mangroven sind eines der am weitesten verbreiteten Ökosysteme Sri Lankas und bieten der lokalen Bevölkerung wichtige Ökosystemdienstleistungen. Sie spielen eine wichtige Rolle zum Schutz vor Küstenerosion sowie für die Fortpflanzung von Fischen und Vögeln. Dennoch wurden die Mangrovenwälder in den letzten Jahrzehnten durch zunehmende menschliche Aktivitäten wie illegalen Holzeinschlag, Aquakultur, Bau von Siedlungen, Landwirtschaft und Tourismus drastisch geschädigt oder reduziert. Die Feuchtgebiete leiden unter Überfischung, Schadstoffeinträge und den massiven Einsatz chemischer Düngemittel. Die lokale Bevölkerung im Südwesten Sri Lankas ist auf die natürlichen Ressourcen des Sees und der umliegenden Feuchtgebiete angewiesen. Daher sind ein adäquates Management und ein Umweltbildungsprogramm notwendig, mit dem die ansässigen Bauern und Fischer über die nachhaltige Nutzung der Umwelt informiert werden.

 

Lösungen – der Blick nach vorn

Der Global Nature Fund unterstützt zusammen mit seinen sri-lankischen Partnerorganisationen EMACE Foundation am Bolgoda See und Nagenahiru Foundation am Madampe See die Wiederherstellung dieser einzigartigen Mangrovenwälder. Geeignete Programme für die Bewirtschaftung und das Umweltbewusstsein sollen entwickelt werden, um mehr Landwirte und Fischer in der nachhaltigen Nutzung der Umwelt zu schulen. Die Einrichtung von Pufferzonen, die Bereitstellung alternativer Lebensgrundlagen und Brennholzquellen sowie die Entwicklung von kleinen, kostengünstigen Wasseraufbereitungsanlagen für Hotels, Betriebe und Gemeinden würden dazu beitragen, weitere Zerstörungen dieser Ökosysteme zu verhindern.

 

Im Rahmen gemeinsamer Projekte wurden bereits erste Schritte unternommen. Seit dem Tsunami im Dezember 2004 wurden in den beiden Seengebieten ca. 100.000 Mangrovensetzlinge gepflanzt und damit 40 Hektar dieses wichtigen Lebensraumes wiederhergestellt. Weitere Informationen zu unseren gemeinsamen Projektaktivitäten finden Sie hier:

 

Mangrovenschutz in Sri Lanka und Indien

 Baumschule für Mangrovensetzlinge
 Mangrovensetzlinge in der Baumschule
 Zerstörung von Lebensräumen am Madampe See
 Projektgebiet mit neu gepflanzten Mangroven
 Baumschule
 

Hintergrund

Seit 2004 nominiert der GNF am Weltfeuchtgebietstag (2. Februar) den „Bedrohten See des Jahres“, um auf ein gefährdetes Seengebiet aufmerksam zu machen und zur Lösung von Umweltproblemen vor Ort beizutragen.

 

Global Nature Fund und das Living Lakes-Netzwerk

Der Global Nature Fund ist eine gemeinnützige, private, unabhängige Stiftung zum Schutz von Umwelt und Natur. Der GNF wurde 1998 gegründet und hat Büros in Radolfzell, Bonn und Berlin. Eine der Kerninitiativen des GNF ist Living Lakes – ein globales Netzwerk von Organisationen, die sich für den Schutz von Seen und Feuchtgebieten einsetzen. Das Netzwerk umfasst derzeit 108 Mitglieder auf der ganzen Welt. Der Bolgoda See und der Madampe See sind Mitglieder des internationalen Living Lakes-Netzwerks. www.globalnature.org/de/living-lakes

 

EMACE Foundation of Sri Lanka  

EMACE ist eine lokale NGO mit über 30 Jahren Erfahrung in der Bolgoda Seenregion in den Bereichen Renaturierung und Schutz der Biodiversität. EMACE implementiert Programme für erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft, Klimaschutz, soziale Unternehmen und führt Umweltbildungsprogramme für die lokale Bevölkerung durch und setzt sich durch die Zivilgesellschaft für eine bessere Umweltgesetzgebung ein. www.emacesrilanka.com

 

Nagenahiru Foundation - Center for Conservation of Lakes and Wetlands, Sri Lanka

Die Nagenahiru-Stiftung wurde 1991 gegründet und ist an einer Vielzahl von Aktivitäten beteiligt, darunter Umweltbildung auf Gemeindeebene, Naturschutz, Lobbyarbeits-Programme sowie Programme zur Armutsbekämpfung und zur Stärkung der Gemeinschaft. Die Stiftung führt verschiedene Mangrovenrenaturierungs- und -schutzprogramme durch. www.nagenahiru.org

 Schulungen im Garten zur Selbstversorgung
 Gärtnern im Selbstversorger-Garten
 Biodiversitätsschutz
 

Kontakte

 

EMACE Foundation of Sri Lanka

Ekanayake Abeyrathne (Direktor)

15 Mihiri Place, Asiri Uyana, Katubedda, Moratuwa, Sri Lanka 

Tel.:  + 94 11 26 12 837

Mobile:  + 94 11 77 79 131 393

Fax: + 94 11 26 10 080

E-Mail: emacefoundation@gmail.com

Website: www.emace.org

 

Nagenahiru Foundation – Center for Conservation of Lakes and Wetlands

Lal Emmanuel (Präsident)

No. 4/11, Patabendimulla

Ambalangoda, Sri Lanka

Tel.: + 94 91 22 56 621

Mobile: + 94 77 62 09 625

E-Mail: nagenahiru@sltnet.lk

Website: www.nagenahiru.org

 

Global Nature Fund (GNF)

Udo Gattenlöhner (Geschäftsführer)

Fritz-Reichle-Ring 4

78315 Radolfzell, Deutschland

Tel.: +49 7732 9995-80

Fax: +49 7732 9995-88

E-Mail: gattenloehner@globalnature.org

Website: www.globalnature.org