Baikalsee – Burjatien und Irkutsk Gebiet, Russland

 

November 2017

140 Nerpas wurden am Baikalsee tot aufgefunden, ca. 80 % davon trächtig. Die Ursachen des Sterbens werden erforscht. Die Baikalrobbe „Nerpa“ ist eine endemische Art am Baikalsee und sein Wahrzeichen. Naturschützer, Bewohner und Touristen am See sind besorgt und warten auf die Ergebnisse der Expertise.

Rückgang der Omul-Population im Baikalsee

 

Seit dem 1.10.2017 gelten strengste Regelungen für die Omul-Fischerei im Baikalsee. Der Omul ist ein Wahrzeichen des Baikalsees, Lebensgrundlage für Einheimische sowie eine wichtige touristische Attraktion auf den Speisekarten regionaler Restaurants. Der Omul-Bestand im Baikalsee hat sich in den letzten Jahren stark verringert.

 

Das Verbot für den Fang von Omul soll der Population helfen, sich zu erholen. Gleichzeitig sorgt es für Unruhe und Diskussionen. Es betrifft direkt die einheimische Bevölkerung, für die Omul ein wichtiger und wertvoller Bestandteil ihrer Nahrung ist. Die vom Verbot betroffene Region beinhaltet die Chivyrkuisky Bucht des Baikalsees mit Flüssen, die hier münden; das Barguzin Flussbecken, die Buchten von Sor (Posolsky sor) und Sor-Cherkalovo (Istoksky sor) des Baikalsees sowie den Fluss Selenga. Aktuell gibt es keine Zeitbegrenzung für das Fangverbot. Im Moment wird der Omul-Bestand im Baikalsee auf 10.000 bis 13.000 Tonnen geschätzt, ein intakter Bestand würde bei 50.000 Tonnen liegen. Als mögliche Gründe für den Rückgang werden die allgemeine Umweltsituation, der niedrige Wasserstand der letzten Jahre sowie Wilderei genannt.

 

Das aktuelle Verbot ist nicht das erste in der Fischereigeschichte am Baikalsee: Im Jahr 1969 führte diese Maßnahme zu einer erheblichen Erholung des Fischbestandes im See.

 

Die strengen Restriktionen verursachen viele Diskussionen, einige Experte sehen darin das Potenzial für die Zunahme an illegaler Omul-Fischerei und dessen Handel.

 Beeindruckende Landschaft am Baikalsee
 

Der Baikalsee liegt im südlichen Sibirien, nahe der russisch-mongolischen Grenze. Über 2.500 verschiedene Tier- und Pflanzenarten kommen am Baikalsee vor, zwei Drittel davon sind endemische Arten, die nur hier in der Region vorkommen. In den ausgedehnten Kiefern- und Lärchenwäldern und der sibirischen Taiga leben unter anderem Bären, Wölfe, Luchse und Elche. Zu den endemischern Arten zählen u.a. die Baikalrobbe (Phoca sibirica), eine Süßwasserrobbenart, der "Golomjanka", ein schuppenloser, durchsichtiger Fisch ohne Schwimmblase sowie der Omul, eine Lachsart. Viele Millionen Zugvögel rasten auf ihrem Vogelzug auf und am Baikalsee, alleine im Selenga-Delta sind es jährlich über 5 Millionen.

 

Der Baikalsee ist ein See der Superlativen: er ist mit über 25 Millionen Jahren der älteste, mit einer Tiefe von bis zu 1.673 Metern der tiefste und gleichzeitig auch der größte Süßwasserspeicher der Erde. Gespeist wird der Baikalsee von über 300 Flüssen und Bächen, die größten Zuflüsse sind die Obere Angara, die Selenga und der Bargusin. Die Angara ist der einzige Abfluss im Süden des Sees. Im See selbst liegen 22 größere Inseln, wobei Olchon mit einer Fläche von 730 km² die größte ist.

Seit dem Jahr 1999 ist der Baikalsee Mitglied im internationalen Netzwerk Living Lakes. Unsere Partner am Baikalsee sind der Naturschutzverband "Firn" und das Baikal Informationszentrum "GRAN" in Ulan-Ude. Die größten Probleme, an deren Lösung unsere Partnerorganisationen am Baikalsee arbeiten, liegen im Bereich der Wasserverschmutzung. Insbesondere die Abwässer einer großen Papierfabrik in Baikalsk, die zu sowjetischen Zeiten im Jahr 1966 direkt an das Seeufer gebaut wurde, beeinträchtigten bis zu ihrer Schließung im März 2009 gravierend die Wasserqualität. Aber auch andere Industrieabwässer werden weiterhin ungeklärt eingeleitet.

 

Die ökonomische Krise in Russland, ausgelöst durch den Zerfall der Sowjetunion, hat zu extrem unsicheren Einkommensverhältnissen der Menschen geführt. Dies rückt die Bedeutung von Arbeitsplätzen gegenüber Umwelt- und Naturschutzbelangen in den Vordergrund. Aber auch die unkontrollierte Überfischung und illegale Jagd, z. B. auf die Baikalrobben, bedrohen die einzigartige Tierwelt der Region.

Andere Probleme, auf welche sich unsere Partner konzentrieren, sind die Weitergabe ökologischer Informationen und die Umweltbildung innerhalb der Baikalregion. 

 

Ende 2008 wurde der „Ökologische Gemeinschaftsrat" gegründet, dessen Hauptziel die Koordination der Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft und der NGOs im Bereich Umweltschutz ist. Mit der gemeinsamen Durchführung von föderalen und regionalen Programmen sollen Rechtsverletzungen und ökologische Verbrechen verhindert und somit die Bewahrung der einzigartigen Natur in der Baikalregion sichergestellt werden. FIRN ist Mitglied im Ökologischen Gemeinschaftsrat.

 Markanter Uferbereich am Baikalsee
 Baikalrobbe
 

Gemeinsame Projekte mit den beiden Partnerorganisationen in der Region sind und waren

Warum Nerpa weint (2013–2014)

Zusammen schaffen wir es! (2012–2013)

Schutzprojekt der Baikalrobbe
Projekt zur Entwicklung von sanftem Tourismus (2008–2010)

Umweltbildung (2007–2009)

Rauchschwalben-Projekt (2004)

 

Weitere Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie auf der jeweiligen Projektseite auf unserer Webseite.

GRAN gründete Verband für Ökotourismus in Burjatien (BETA)

In Burjatien nimmt die Zahl der privaten Initiativen zu, die sich für die Entwicklung von Natur- und Ökotourismus interessieren und einsetzen. Um ihre Bestrebungen zu bündeln und erfolgreich aufzubauen, hat GRAN den Verband für Ökotourismus in Burjatien (BETA) im Herbst 2010 gegründet. Bisher erhielten die privaten Initiativen keine staatliche Unterstützung für die Schaffung und Vermarktung von Ökotourismus-Aktivitäten.

 

Im Oktober 2010 wurde der Verband BETA sowie das Ökotourismusprojekt in der Oka-Region von GRAN im Burjatischen Parlament vorgestellt und stießen dort auf positive Resonanz.

Mit der erfolgreichen Entwicklung von Ökotourismus könnte eine wichtige Alternative zur geplanten intensiven touristischen Nutzung am Baikalsee und in seinem Wassereinzugsgebiet entstehen. Ökotourismus ist eine direkte alternative Einkommensquelle für die lokale Bevölkerung und zeigt zudem den wirtschaftlichen Wert von Natur und Kultur auf.

 Baguzin Fluss
 Bed and Breakfast in Dulan
 

Dezember 2013

Die Lerneinheit für Schulkinder wurde als bestes Buch in der Republik Burjatien ausgezeichnet.

Der Baikalsee in den Schulen von Burjatien

Living Lakes-Partner GRAN  hat im Dezember 2012 eine umfangreiche Lehreinheit zum Baikalsee vorgestellt. Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren erhalten vielseitige Informationen über den Baikalsee sowie seine ökologische und kulturelle Bedeutung. Informationen und Bilder wechseln sich mit Quizfragen und anderen interaktiven Elementen ab. Die Baikalrobbe führt als sympathisches Maskottchen durch die verschiedenen Kapitel. Ein Kartenspiel mit Fragen über die Tier- und Pflanzenwelt und andere wissenswerte Dinge sowie eine große, bunte Karte über den Baikalsee runden das Unterrichtsmaterial ab.

 

Im Rahmen eines Praxistests verteilt GRAN nun 1.000 Exemplare unter vier Schulen, Bibliotheken und Umweltorganisationen in Burjatien. Wenn die Rückmeldungen positiv sind, sollen alle Schulklassen in Burjatien für Kinder zwischen zehn und 14 Jahren ein Exemplar erhalten. Eine englische Version des Lehrmaterials ist ebenfalls geplant. Die Lehreinheit wurde finanziert durch UNEP und CocaCola.

 Autoren des Lehrmaterials
 Lehrer mit dem Lehrmaterial
 

Weitere Informationen zum Baikalsee

Datenübersicht

 

Partnerorganisationen

Club "Firn" (NGO)

Zhargalma Tsybikova

Ul.Babushkina 13

670031 Ulan-Ude, Buryatia, Russia

Tel.: + 7 3012 55 50 88

Fax: + 7 3012 55 50 88

E-Mail: office@firnclub.ru

 Logo FIRN
 

Baikal Information Center GRAN

Ms. Elena Perelygina - Manager

9 Borsoev St., office 1.

Ulan-Ude 670000

Republic of Buryatia, Russia

Tel. / Fax: +7 3012 21 70 73

E-Mail: gran.baikal@mail.ru

Website: www.bicgran.ru

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