Lebendiger See des Jahres 2013: Mindelsee

 

„Der Mindelsee auf dem Bodanrück zwischen Untersee und Überlinger See ist ein landschaftlich hervorragend wirksamer Zeuge der Eiszeit.“ So beschrieb 1937 der Botaniker Erich Oberdorfer den malerischen See auf dem Bodanrück-Hügelland nordöstlich von Radolfzell. Während der Würmeiszeit, der letzten großen Eiszeit, war der westliche Bodenseeraum von einem mehrere Hundert Meter mächtigen Eisschild des Rheingletschers bedeckt. Er hinterließ auf dem Bodanrück viele wassergefüllte Geländemulden, in denen Moore entstanden. Das größte ist das Mindelseemoor.

 

Das Mindelseegebiet wurde vor etwa 15.000 Jahren eisfrei. Durch natürliche Verlandungsprozesse – und gezielte Wasserabsenkungen – entstand aus dem ehemals fast neun Kilometer langen und mehrere Dutzend Meter tiefen Schmelzwasserstausee der heutige See mit seinen im Süden steil abfallenden Ufern und einer Fläche von etwa 115 Hektar. Auf drei Seiten ist der Mindelsee umgeben von einem großen Niedermoor mit ca. 170 Hektar Fläche. In der Umgebung gibt es viele ovale Moränenhügel, sogenannte Drumlins. Diese „Walfischrücken“ sind Zeugen der letzten Eiszeit und typisch für die Jungmoränenlandschaft des Bodanrücks.

 

Kulturlandschaft im Wandel der Zeit

Noch bis Ende des 15. Jahrhunderts war die offene Wasserfläche des Sees wesentlich größer und der See mehrere Meter tiefer als heute, da bis zu dieser Zeit fast ausschließlich natürliche Verlandungsprozesse stattfanden.

 

Mehrfach wurden der See und seine Ufer stark beeinträchtigt, zum ersten Mal im Jahr 1490. Um neue Wiesen zu gewinnen, senkte man den Seespiegel ab und entwässerte ein großes Riedgelände südlich des Mindelsees. Dazu wurde der Mühlbach angelegt. Eine weitere Absenkung um ca. 1,4 Meter erfuhr der See im Dezember 1847, vor allem um die reichen Torflager rund um den See für die Gewinnung von Brenntorf auszubeuten. Die Torfgewinnung war räumlich und zeitlich begrenzt, ein großes Glück für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Niedermoorwiesen.

 

Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Ostried zahlreiche Äcker und Wiesen aufgeforstet. Im letzten Jahrhundert sind viele Streu- und Riedwiesen brach gefallen, verschilften oder verbuschten. Artenreiche klein parzellierte Futterwiesen gingen zugunsten von artenärmeren großflächigen Mähwiesen verloren. Durch Umnutzung sowie Intensivierung und Aufgabe der Nutzung ging in den letzten 150 Jahren mehr als die Hälfte der ehemaligen Feuchtwiesen verloren. Dennoch konnte sich bis heute eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft erhalten, die seinesgleichen sucht.

 
 Der Mindelsee liegt auf dem Bodanrück, eingebettet in eine Hügellandschaft.
 Brand-Knabenkraut
Foto: Simon Ringwald
 Abendstimmung am Mindelsee

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