Bedrohter See des Jahres 2005:

Viktoriasee - Kenia, Tansania und Uganda

 

Der Global Nature Fund weist mit dieser Ernennung auf die ökologische Bedrohung des größten afrikanischen Sees hin – Überfischung und Armut sind die Hauptgefahren.

Die Ausweisung als „Bedrohter See des Jahres 2005" erhält der ostafrikanische Viktoriasee vom GNF nicht ohne Grund. Er ist akut durch den dramatischen Fischrückgang, die Zerstörung der Ufervegetation sowie durch die wachsende Verarmung der am See lebenden Bevölkerung gefährdet. 

 

„Allein am kenianischen Ufer des Sees ist die Zahl der Fischer wegen der schlechten Wirtschaftslage in den letzten Jahren stark gestiegen und liegt mit 55.000 fast doppelt so hoch wie von Experten empfohlen", so Dr. Obiero Onganga von der Umweltschutzorganisation OSIENALA, einem Partner des GNF im Seenschutznetzwerk Living Lakes. Onganga bezieht sich damit auf die Überfischung. Vor 50 Jahren gab es über 500 verschiedene Fischarten, von denen rund zwei Dutzend auf den Märkten zu finden waren - heute gibt es nur noch drei Arten.

 

Es gibt viele Gründe für diesen drastischen Rückgang. Ein Grund ist die Verschmutzung des Sees durch Abwässer und Abfälle aus Industrie und Privathaushalten. Ein anderer Grund ist die große Nachfrage in Europa, Asien und Nordamerika nach dem beliebten Speisefisch, dem Viktoriabarsch, auch Nilbarsch genannt. Dieser bis zu 70 kg schwere Barsch wurde in den 1960er Jahren eingeführt und war ein wirtschaftlich höchst rentabler Schachzug. Als Raubfisch allerdings hat der Viktoriabarsch andere Fischarten, wie Buntbarsche oder Cichliden, über die letzten Jahrzehnte fast vollständig ausgerottet.

 

Heutzutage ist selbst der Bestand des Viktoriabarsches stark rückläufig: von 175.000 Tonnen im Jahr 2001 auf 110.000 Tonnen des Vorjahres. „Nur eine nachhaltig ausgerichtete Fischerei und die Stärkung traditioneller Fischformen kann den Viktoriasee davor bewahren, seinen Fischreichtum völlig einzubüßen", sagt Stefan Hörmann, Projektleiter beim GNF.


Ein anderes Problem ist die massive Ausbreitung der Wasserhyazinthe. Rüsselkäfer sollen nun den Pflanzenteppich auf dem See nach und nach vertilgen, denn dieser behindert nicht nur den Transport auf dem Wasser, sondern verhindert auch die Zufuhr von Sonnenlicht und Sauerstoff in den See. Die winzigen Käfer fressen die Blätter und hinterlassen Larven, die zum Absterben der Wasserhyazinthen führen.

Zum anderen schreitet die Zerstörung weiter Uferbereiche am Viktoriasee fort, die sich durch den steigenden Bedarf nach Brennmaterial und Ackerland erklären lässt. Erosion und Verschmutzung des Sees haben stark zugenommen. Lebensräume für viele Tiere, wie die vom Sumpfpapyrus lebenden seltenen Flusspferde, sind vernichtet.

Um diese Entwicklungen zu bremsen, unterstützt der GNF mit einem von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) und der Landesstiftung Baden Württemberg geförderten Projekt die einheimischen Fischer beim Einsatz von Solarenergie und der Nutzung von energieeffizienten Fischräucheröfen. Zudem fördert der GNF zusammen mit der Partnerorganisation OSIENALA den Erhalt von verbliebener Ufervegetation durch die Einrichtung von Schutzgebieten und bietet Umweltbildungsmaßnahmen an.

 

World Wetland Day 2005

Der Viktoriasee ist mit einer Fläche von 68.800 km² (128 Mal die Fläche des Bodensees) Afrikas größter See im Länderdreieck Kenia, Tansania und Uganda. Die Ausweisung erfolgt im Rahmen des World Wetlands Day (Welt-Feuchtgebietstag), der dieses Jahr am 02. Februar 2005 stattfindet. Dieser Tag erinnert jährlich an die Unterzeichnung des Ramsar-Abkommens im Jahr 1971 zum Schutz und Erhalt von Feuchtgebieten.