Wostok See – Ehrenmitglied im Living Lakes-Netzwerk

 

Februar 2012: Der lange Weg zum Wostok-See

Neuesten Presseberichten Zufolge soll es einem russischen Forscherteam Anfang Februar gelungen sein, mit einer Bohrtiefe von 3.768 Metern fast bis zum Wostok-See vorzudringen. Es fehlen anscheinend nur noch wenige Meter, um an die Oberfläche des bisher unberührten Sees zu gelangen. In manchen Mitteilungen wird sogar von der erfolgreichen Anbohrung des Sees berichtet.

 

Die Bohrung durch die Eisschicht und das Eindringen in das bisher unberührte Wasser des Wostok-Sees sind international umstritten und nicht unbedenklich. Im Moment können die Folgen, die die Bohrung auf das Gewässer haben wird, nicht abgeschätzt werden. Nach russischen Angaben erfolgte die Bohrung unter sterilen Bedingungen. Allerdings ist es auch vorstellbar, dass es zum Einsatz von Kerosin, Silikonöl und anderen Chemikalien kam, um das Gefrieren des Bohrlochs zu verhindern. Damit könnte eine Kontamination des Seewassers nicht ausgeschlossen werden.

 

Im Jahr 1974 wurde der Wostok-See zum ersten Mal durch Radaraufnahmen in der Antarktis entdeckt, seit ungefähr 15 Millionen Jahren liegt er unberührt unter einer fast 4 km dicken Eisschicht. Verlässliche Angaben zur Bohrung selbst, unter welchen Bedingungen sie erfolgte und in welcher Tiefe sie endete, sind im Moment schwer zu bekommen.

 

Gigantischer Süßwassersee unter 4 km dickem Eis

Im Jahr 1974 wurde mit Hilfe von Radarerkundungen fast vier Kilometer unter dem Eis der Ost-Antarktis ein gigantischer Süßwassersee entdeckt, der Wostok-See. Der See ist einer der ältesten und saubersten Seen der Welt und von Menschen bisher völlig unberührt. Er gehört zu den 70 Seen, die unter der antarktischen Eisdecke entdeckt wurden. Wissenschaftler schätzen das Alter des Sees auf 35 Millionen Jahre. Der See ist seit 500.000 Jahren völlig von der Außenwelt abgeschnitten und könnte urzeitliche Bakterien und Mikroorganismen mit einem einzigartigen Genpool enthalten, der seit einer Zeit unverändert geblieben ist, in der die Antarktis noch mit grünen Wäldern bedeckt war.

 

Man schätzt, dass der Wostok-See einer der größten Seen der Welt ist, 48 km breit, 225 km lang und 914 m tief, mit einer Oberfläche von mehr als 10.000 km².

Der reinste See der Welt – ein Opfer der Wissenschaft?

Seit der Entdeckung des Wostok-Sees ist die NASA daran interessiert, den urzeitlichen See anzubohren, um damit eine planetarische Mission zum Jupiter-Mond Europa vorzubereiten, denn die Oberfläche dieses Mondes besteht aus gefrorenem Wasser. NASA Experten erwarten unter dem Eis flüssiges Wasser zu finden und spekulieren, dass in diesem theoretischen, extraterrestrischen See Leben existieren könnte. Der Wostok-See könnte für einen Probelauf bei der Erkundung des Mondes dienen.

Ein Team aus amerikanischen, russischen und französischen Wissenschaftlern bohrte bereits vor einigen Jahren auf der russischen Station Wostok auf Höhe des westlichen Seeufers bereits ein Loch in die Eisdecke. Etwa 120 m über der Wasseroberfläche wurden damals die Bohrungen eingestellt, um eine Kontaminierung des Sees zu vermeiden. Die russischen Wissenschaftler schütteten Dieselöl in das Bohrloch, um es vor dem Zufrieren zu schützen. In den See hineinzubohren würde großen und irreversiblen Schaden anrichten.

Die Delegierten des Living Lakes-Netzwerkes nahmen den Wostok-See auf der 7. Living Lakes-Konferenz in Südafrika als Ehrenmitglied auf. Die Konferenz fand im Jahr 2002 im Vorfeld des Weltgipfels in Johannesburg statt und wurde von UNEP-Chef Prof. Dr. Klaus Töpfer eröffnet. Der Global Nature Fund übergab Professor Töpfer eine Petition, in der gefordert wird, den Wostok- See als Weltnaturerbe auch zukünftig unangetastet zu lassen und ihn für nachfolgende Generationen zu bewahren.