Abwasserreinigung durch Pflanzenkläranlagen, Paraguay

 
 

Projektlaufzeit:

 

Projektländer:

 

Förderer:

 

 

Projektpartner:

März 2009 – Juni 2010

 

Paraguay

 

Deutsche Umwelthilfe und Rapunzel Naturkost aus Mitteln des Hand in Hand-Fonds

 

Fundación Moisés Bertoni

 

Hindergrund

Pflanzenkläranlagen, auch Green Filter bzw. Grünfilter genannt, sind Wasserkanäle, deren Wasseroberfläche durch Wasserpflanzen bedeckt sind, die schwimmende Wurzeln haben. Die Pflanzen bauen durch ihren Stoffwechsel organische Substanzen, die sich im Abwasser befinden, ab. Durch diese Pflanzenkläranlagen lassen sich häusliche Abwässer relativ gut reinigen.

 

Die Partnerorganisation Fundación Moisés Bertoni in Paraguay setzte diese Abwasserbehandlungsmethode in der Gemeinde Paí Cleva mit ca. 4.000 Einwohnern um, wobei der Global Nature Fund (GNF) sowie die Fundación Global Nature (FGN), die Partnerorganisation in Spanien, ihre Erfahrungen im Bereich der Green Filter mit einbrachten.

 

Projektdurchführung

Die Gemeinde selbst verfügte bereits über ein Abwassernetz, an das die 841 Haushalte angeschlossen sind. Allerdings gab es kein intaktes Abwasserreinigungssystem, das die häuslichen Abwässer aufbereitet, um sie anschließend gereinigt in den Fluss Salado zu speisen. Die unbehandelten Abwässer hatten bisher die Eutrophierung des Flusswassers zur Folge, dies löste wiederum hygienische und gesundheitliche Probleme der Anwohner aus, da sie dieses Wasser zum Trinken und zur Körperhygiene verwenden.

 

A. Bau des Grünfilters

Für den Grünfilter wurde ein Graben mit einer Breite und einer Tiefe von jeweils drei Metern ausgehoben, der Graben ist ca. 40 Meter lang. In der Region herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. Daher wurden bewusst einheimische Arbeitskräfte eingestellt, so dass während der Grabungen fünfzehn Arbeiter beschäftigt wurden.

 

Um eine Verschmutzung des Grundwassers zu verhindern, wurde der Graben mit Plastikfolie ausgekleidet. Außerdem sollte damit auch verhindert werden, dass die Seitenwände erodieren und die Erde in den Graben geschwemmt wird.

 

Zum Filtern der Abwässer wurden Wasserhyazinthen ausgewählt, die auch im Fluss Salado in hoher Dichte wachsen. Die Wasserhyazinthe ist eine schwimmende Pflanze, die große Wurzelballen entwickelt und ausgezeichnete Filterkapazitäten hat. Die Plastikfolie bedeckt nicht die gesamte Höhe der Grabenwände, sondern endet kurz über dem Niveau des Abwassers (ca. 90 cm). Über das Abwasserrohr gelangt das zu reinigende Wasser in den Grünfilter. Das gefilterte Wasser fließt über eine Steinböschung am Ende des Grabens und durch das natürliche Gefälle gereinigt in den Fluss Salado.

 

B. Weiterbildungskurse für Studenten und Experten

Im Projektzeitraum fanden zwei Seminare statt, in denen Architekturstudenten und Experten aus dem Bereich der Abwasserbehandlung die Technik und Funktionsweise der Pflanzenkläranlage vermittelt bekamen. Da die Studenten die Grünfiltertechnik nach dem Studium anwenden werden, ging es bei dieser Zielgruppe vor allem darum, ihr das System des Grünfilters und einer Pflanzenkläranlage zu zeigen und zu erklären. Dafür mussten zunächst grundlegende Kenntnisse im Bereich der Wasseraufbereitung vermittelt werden. Dies war bei den Experten nicht nötig und so wurde das Thema Grünfilter intensiver im Detail behandelt.

 

Ausblick

In den nächsten Monaten, nachdem die Wasserhyazinthen gewachsen sind und die volle Filtrationskapazität erreicht haben, soll ein Monitoring durchgeführt werden. Es werden Wasserproben am Eintritt der Abwässer und am Ausfluss des Filters genommen. Die Wasseranalysen werden zeigen, wie gut der Filter arbeitet. Allerdings kann der neu errichtete Grünfilter nur einen kleinen Teil der Abwässer aller Haushalte der Gemeinde Paí Cleva reinigen. Für die Abwässer der ca. 4.000 Personen müsste der Filter eigentlich eine Fläche von 2.250 Quadratmetern haben, im Moment sind es lediglich 120 m². Der Filter ist daher nur ein Modellprojekt. Die Fundación Global Nature hat die Finanzierung zur Vergrößerung des Filters beim Land Madrid beantragt.

 

Durch den Bau und die Inbetriebnahme dieser Pilotanlage sollte nun eine Grundlage in der Region geschaffen werden, um diese relativ einfache Technik der Abwasserbehandlung der Bevölkerung aber auch Behörden und Verwaltungen näher zu bringen. Neben dem gereinigten Wasser hat diese Kläranlage weitere positive Aspekte, die direkt der Bevölkerung zu gute kommen. In zusätzlichen Workshops könnten die Anwohner darüber unterrichtet werden, wie aus den Fasern der Wasserpflanzen der Kläranlage organischer Dünger und Kunsthandwerksprodukte hergestellt werden.

 

Langfristig soll mit dem erfolgreichen Betrieb der Pflanzenkläranlage die Wasserqualität des Flusses Salado und somit auch die Lebensqualität der Anwohner sowie des gesamten Ökosystems verbessert werden. Eine funktionierende Pilotanlage soll weitere Gemeinden animieren, diese technisch einfache und kostengünstige Art von Abwasserreinigung zu übernehmen.

Dieses Projekt wird von der Deutschen Umwelthilfe und Rapunzel Naturkost aus Mitteln des Hand in Hand-Fonds gefördert.

Weitere Informationen über den Lagunita Komplex, dem Living Lakes-Partnersee in Paraguay finden Sie auf unserer Webseite.

 Situation vor dem Bau des Grünfilters: Abwässer gelangen ungeklärt in den Fluss.
 Graben des Kanals
 Wasserhyazinthen als Grünfilter-Pflanzen
 Workshop für Architekturstudenten
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