Der Titicaca See ist Bedrohter See 2012 –
Klimawandel und Zivilisationsdruck machen ihm zu schaffen!

 
Die atemberaubende Kulisse des bekanntesten Sees in Südamerika kann nicht mehr über die gravierenden Umweltbelastungen hinwegtäuschen. Ungereinigte Abwässer, giftige Einträge aus Minen und Landwirtschaft zählen dazu. Aber auch die Auswirkungen des Klimawandels sind heute schon dramatisch.

Boliviens heiliger See

3.800 m hoch in den Anden liegt Südamerikas größter Süßwassersee. Mit 8.400 km² ist der Titicaca See faszinierender Anziehungspunkt für Tausende Touristen jährlich. Inmitten einer kargen Umgebung ist er wichtiger Lebensraum, Trinkwasserspeicher und Nahrungsquelle für über zwei Millionen Menschen. Auch für die Urus, eine kleine indigene Bevölkerungsgruppe, die auf einzigartigen schwimmenden Inseln aus Totora-Schilf im See lebt.

Übernutzung trotz Schutzstatus

Der See und seine ausgedehnten Schilfflächen sind Lebensräume für hier heimische Tierarten wie Andenkärpfling, Andenfuchs, Titicaca Riesenfrosch und Titicacataucher. Obwohl seit 1998 Ramsar-Schutzgebiet, wird der See seit Jahrzehnten übernutzt. Die Klärung der Abwässer von mehr als einer Million Menschen ist völlig unzureichend. So sind die Flachwasserbereiche, wie die Bahia de Puno, bereits mit Wasserlinsen bedeckt, die sich durch den ungebremsten Nährstoffeintrag stark ausbreiten. Abwässer aus der Leder-, Zement- und Holzindustrie sowie Schwermetalle aus legalen und illegalen Minen belasten den See.

Klimawandel und Zivilisationsdruck

Die Dörfer am Titicaca See leben traditionell vom Fischfang. Doch die Fischbestände schwinden dramatisch und viele Fischer mussten ihre Arbeit bereits aufgeben. Damit wächst die Bedeutung der Landwirtschaft. Kartoffeln, Mais und Getreidefelder dehnen sich aus und werden mit Kunstdünger behandelt. Die hohen Wasserentnahmen für Industrie und Landwirtschaft lassen den Wasserspiegel stetig sinken. Dabei ist bereits durch den Klimawandel die Regenzeit von sechs auf nur noch drei Monate geschrumpft.

Der Global Nature Fund hat den Titicaca See zum „Bedrohten See des Jahres 2012“ ausgerufen. Gemeinsam mit Trópico und CEDAS setzen wir uns für ein länderüber­greifendes Wassermanagement ein.

Hilfe für den Titicaca See!

Folgende Maßnahmen sind geplant:

  • Installation von Abwasserreinigungsanlagen in der Bahía de Puno und an anderen sensiblen Stellen
  • Mechanische Säuberung der Buchten von Wasserlinsen, Sauerstoffanreicherung des Wassers
  • Einführung einer nachhaltigen Nutzung des Totora-Schilfs
  • Entwicklung von Anpassungsstrategien zu den Folgen des Klimawandels
  • Ausbildung der Einheimischen zu Touristenführern, Förderung des Ökotourismus
 Beeindruckende Landschaft am Titicaca See.
 Schwimmende Insel der Urus.
 Ufervegetation
 Antike Kulturstätten am Titicaca See
 Titicaca-Taucher