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Entdeckungsreise zu den Seen der Welt mit dem Faltrad

 

Von August 2009 bis Mai 2010 reisten die Konstanzer Margit Weißer und Marco Walter um die Welt. Im Gepäck: zwei Falträder. Unter anderen waren vier Seen aus dem Living Lakes-Netzwerk ihre Ziele. Marco Walter ist Geschäftsführer von ECOCAMPING, einem Verein, der sich für die Förderung von Umweltschutz und Qualität auf Campingplätzen einsetzt und seit zehn Jahren Partnerprojekt von Living Lakes ist.

 

Baikalsee – Russland

Ein See wie ein Meer. Wir stehen am Bug des betagten Schiffs und schauen hinab in die Tiefe. Zwischen Wellenberg und Wellental liegen acht Meter. Das Auf und Ab dieser Schiffsschaukel berauscht. Der Wind lässt die Haare waagerecht wehen. Außer uns ist kein einziges Schiff auf diesem gigantischen Wasser zu sehen, das 10 Mal so lang wie der Bodensee und 1.640 Meter tief ist. Kein Wunder, dass er die Seele Russlands genannt wird: der Baikalsee. Nach über 6.000 Kilometer mit der Transsibirischen Eisenbahn haben wir ihn erreicht. Und haben das Glück, an einer Living Lakes Baikalkonferenz teilzunehmen. Dabei lernen wir viel über die faszinierende Natur dieses Sees, aber auch seine Probleme kennen. Angefangen von der riesigen Papierfabrik Baikalsk, die ihre Abwässer ungeklärt in den See leitet, über Quecksilberbelastungen im größten Zufluss Selenga, durch rücksichtslosen Abbau von Bodenschätzen verschmutzt,  bis hin zu den Auswirkungen touristischer Nutzung. Viel Arbeit für die regionalen Living Lakes-Partner GRAN und Club „Firn“. Auf einer Exkursion zu den Uschkani-Inseln sehen wir Njerpas, die einzigen Süßwasserrobben der Welt, welche nur im Baikalsee vorkommen. Per Bahn reisen wir weiter in die Mongolei und nach China, dann mit Bussen über Vietnam, radeln durch Laos und Kambodscha und reisen weiter bis nach Bangkok. Von hier nehmen wir den Flieger, besuchen Australien und Neuseeland, in all diesen Ländern allerdings keine Living-Lakes-Seen. Dies ändert sich in Südamerika.

 

Flamingos im Abendrot – Laguna Mar Chiquita in Argentinien

In Argentinien wohnen wir fünf Tage an der Laguna Mar Chiquita im Naturschutzzentrum des Centro de Zoologica Aplicada Argentina der Universität Cordoba, Living Lakes-Partner vor Ort. Erio Curto, Leiter des Zentrums zeigt uns die Besonderheiten dieses größten Sees Argentiniens, der 80 Gramm Salz pro Liter enthält - soviel wie normale Meere. In den 70er Jahren ist das Wasser durch starke Regenfälle um 8 m gestiegen, wodurch viele Häuser bis zur Dachkante überschwemmt wurden. Um den freien Blick aufs Wasser wieder herzustellen, wurden die Häuser im Wasser gesprengt. Mit dem Erfolg, dass jetzt der gesamte Uferbereich der Stadt Miramar mit Bauschutt bedeckt ist, denn der Wasserstand liegt mittlerweile wieder 3 bis 4 m tiefer. Doch abgesehen von diesem eher ästhetischen Problem ist der See durch die starke Wasserentnahme im zufließenden Dulce-Fluss bedroht. Dabei stellt er ein wertvolles Biotop dar und ist ein Paradies für Ornithologen. Chile-Flamingos fliegen in der Abenddämmerung zu Dutzenden vorbei, auf Zaunpfählen sitzen Eulen und auch Wilson-Wassertreter oder Goldregenpfeifer sind in großer Anzahl an der Laguna zu beobachten. Living Lakes hat aus diesem Grund einen Vogelbeobachtungsturm am See eingerichtet. In dessen Nähe zeigt uns Erio Curto einen Campingplatz, der durch die Überschwemmung zerstört wurde. Und erzählt uns seine Vision, hier einen ökologischen Vorbild-Campingplatz zu errichten.

 

Pantanal – auf der Spur des Jaguars

Die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus liegt auch dem Verein Ecotropica am Herzen, Living Lakes-Partner im Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Erde. So groß wie Frankreich liegt es in den Ländern Brasilien, Paraguay und Bolivien. Bevölkert wird das Pantanal von Millionen Krokodilen, die sich gerne von den Capivaras, den größten Nagetieren der Welt, ernähren. Ecotropica verfügt über mehrere Schutzgebiete im brasilianischen Teil des Pantanals und betreibt die  Forschungsstation Acurizal. Eine Woche verbringe ich (Marco Walter) in dieser Station, streife durch die Wildnis auf der Suche nach dem Jaguar und dem Glaucus-Ara. Letzerer ist eine Papageienart, die als ausgestorben gilt. Adalberto und Wolfgang Eberhard von Ecotropica vermuten, dass es lebende Exemplare des Glaucus-Aras in ihrem Gebiet gibt, da mehrere Personen unabhängig voneinander angaben, solche beobachtet zu haben. Da bislang kein Beweisfoto existiert, hoffe ich, den sensationellen Schnappschuss zu machen. Aber leider flatterten nur normale Papageien vor meine Linse und statt des Jaguars bekam ich ein Pferd, was dieser gerissen hatte, zu sehen. Weniger selten, aber gleichsam faszinierend war die Begegnung mit einer großen Landschildkröte, die plötzlich vor mir herspazierte. Neben der Beobachtung und Dokumentation der Tierwelt hat Ecotropica im Pantanal auch umweltpolitische Aufgaben. Durch Landwirtschaft und den Abbau von Bodenschätzen kommen über die Zuflüsse Schadstoffe in das Gebiet, der Angeltourismus richtet zunehmend Schäden an und alle Jahre wieder gilt es für Ecotropica, den Bau einer gigantischen Wasserstraße durch das Pantanal zu verhindern.

 

Titicacasee –  Ursprung der Inkas

Auch TRÓPICO, Living Lakes-Partner am 3.810 Meter hoch gelegenen Titicacasee, setzt auf den Tourismus als Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung. Deren Präsident Jorge Cardenas ist bestens mit den Tourismusorganisationen des Landes vernetzt und organisiert touristische Reisen durch Bolivien und insbesondere auch an den Titicacasee. Auf der Sonneninsel betreibt der Verein eine Öko-Hotel-Anlage, in der das warme Wasser, aber auch die Heizung mit Sonnenenergie produziert werden. Sie dient als Vorbild für andere Tourismuseinrichtungen im Land, die von TRÓPICO bei der Einführung eines Umweltmanagementsystems unterstützt werden sollen. Die Sonneninsel gilt der Sage nach als der Ursprung der Inkas, wir stoßen auf einzelne Ruinen der Inka-Kultur. Einziges Verkehrsmittel auf der Insel sind Esel oder Boote, die die Verbindung zum Festland aufrechterhalten. Der Titicacasee als weltweit höchstgelegener Großsee ist 15 mal so groß wie der Bodensee und besticht durch spektakuläre Aussichten und Farben. Mit unseren Falträdern fahren wir an seiner Küste entlang bis nach Peru, der zweiten Anrainernation des Sees. In Peru besuchen wir die alte Inkastadt Machu Picchu, den Amazonas rund um Puerto Maldonado mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt, bevor wir über Brasilien den Heimweg nach Deutschland antreten.

Wieder daheim sind wir dankbar, dass wir eine einmalige Reise um die Welt machen konnten, durch die wir die Vielfalt der Kulturen, die Schönheit der Natur, andere Seen, aber auch die Probleme besser kennen gelernt haben. Und dass wir bei alledem gesund geblieben sind!

 

Text: Marco Walter, Fotos: Margit Weißer

 
 Unterwegs an einer Naturschutzstation
 Marco Walter mit Faltrad vor der Kirche in Irtusk, Russland
 Mar Chiquita in Argentinien
 Pantanal-Feuchtgebiet in Brasilien
 Landschildkröte im Pantanal-Feuchtgebiet
 Abendstimmung am Pantanal-Feuchtgebiet
 Frauen am Titicacasee, Peru
 Titicacasee in Bolivien und Peru
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