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EnviComm 2009

Workshop: Biodiversität & Unternehmenserfolg

 

Unter dem Motto „Verantwortung tragen – Verantwortlichkeit managen“ kamen vom 27. bis 28. April 2009 rund 300 Vertreter aus Wirtschaft, NGOs, Politik und Wissenschaft zum 5. Deutschen CSR-Forum auf der EnviComm in Stuttgart zusammen. In diesem Rahmen organisierte der Global Nature Fund einen Workshop zum Thema „Biodiversität & Unternehmenserfolg“ und lud zu einer konstruktiven Diskussion ein.

 

Referenten

Dr. Frauke Fischer, AUF! – Agentur für Umweltfragen

Mila Dahle, TUI AG

Dr. Michael Rademacher, HeidelbergCement

Udo Gattenlöhner, Global Nature Fund

Susanne Bergius, Fachjournalistin & Moderation für Nachhaltigkeit (Moderation)

 

Wert der biologischen Vielfalt

Die Frage nach dem ökonomischen Wert von Biodiversität schien für viele Workshop-Teilnehmer die dringlichste. Während die Reduzierung des Energieverbrauchs und die Umstellung auf Erneuerbare Energien mit erheblichen Kosteneinsparungen einhergehen und somit eine sehr attraktive Form des Klimaschutzes darstellen, ist die Bedeutung der biologischen Vielfalt immer noch wenig bekannt. Der Erhalt der biologischen Vielfalt hat (noch) keinen bezifferbaren Wert und lässt sich somit, in den Augen der Unternehmer, nicht als Kostenpunkt in die Geschäftsprozesse internalisieren. Udo Gattenlöhner vom Global Nature Fund fordert daher, dass die Bewertung der wirtschaftlichen Bedeutung von Biodiversität notwendig ist, denn „der Verlust der Artenvielfalt beschleunigt sich in so dramatischer Weise, dass die Risiken für uns und kommende Generationen enorm steigen.“

 

Engagement von Unternehmen

Für einige Unternehmen, die auch am Workshop teilnahmen, stellt die biologische Vielfalt die wichtigste Grundlage für die Geschäftstätigkeit dar. Mila Dahle, Leiterin Umweltmanagement bei der TUI AG, betont: „Der Tourismus ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf eine intakte Natur und Umwelt angewiesen. Gleichzeitig haben unsere Geschäftsaktivitäten entlang der Wertschöpfungskette direkten Einfluss auf die biologische Vielfalt – beispielsweise im Flug- und Hotelbereich.“ Aus diesem Grund verpflichtete sich das Touristikunternehmen im Rahmen der Business & Biodiversity Initiative zur Implementierung des Schutzes von Biodiversität ins Kerngeschäft. Biodiversität ist auch bei dem Baustoffhersteller HeidelbergCement im Geschäftsprozess verankert, denn „der Schutz der biologischen Vielfalt ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Sicherung unserer Rohstoffreserven”, so Dr. Rademacher, Manager für Biodiversität und Naturschutz bei HeidelbergCement. Seit Januar 2009 hat die Firma für alle Abbaustätten in Europa eine Richtlinie zur Renaturierung von Abbaustätten und Förderung der Biodiversität implementiert.

Von ihrem Engagement erhoffen sich die Unternehmen ebenfalls eine Verbesserung der Reputation und Glaubwürdigkeit nach außen sowie nach innen. „Es trägt auch dazu bei, dass unsere Mitarbeiter sich mit dem Unternehmen identifizieren. Es ist in einem so großen Unternehmen eine Brücke zwischen ganz unterschiedlichen Unternehmenszweigen“, bekräftigt Herr Dr. Rademacher.

 

Perspektiven für Business & Biodiversity

Eine intensive Kooperation mit Umweltverbänden und einen Austausch innerhalb und zwischen den Branchen befürworten die TUI AG als auch HeidelbergCement. Beide Unternehmen beteiligen sich an Deutschlands Business & Biodiversity Initiative. Dr. Frauke Fischer von der Agentur für Umweltfragen betont allerdings, dass „dringend externe Evaluierung der CSR in diesem Bereich [Biodiversitätsmanagement] und der im Rahmen der Strategie geförderten Projekte notwendig ist, um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des Engagements für Artenvielfalt angemessen zu kontrollieren.“

 

Referierten auf dem Workshop:

Frau Dr. Fischer (Agentur für Umweltfragen) und Frau Dahle (TUI AG)

 

Udo Gattenlöhner ermahnte, dass Wirtschaftsunternehmen einen großen Einfluss auf den Erhalt und die Zerstörung natürlicher Ressourcen haben, ihrer Verantwortung bisher aber selten gerecht werden. Umweltfolgekosten sind in der Vergangenheit in wirtschaftlichen Betrachtungen fast immer „externalisiert“ worden. Ein Wald wird nach seinem Wert für die Holzindustrie und ggf. die Jagd betrachtet, nicht nach seinem Wert als Erholungsraum, als CO2-Speicher, Hochwasserschutz oder als Artenpool. Es müssen (u.a. wirtschaftliche) Anreize geschaffen werden, um die Leistungen von Ökosystemen zu erhalten.

Unternehmen haben derzeit etwa durch den Corporate Ecosystem Services Review (ESR) vom World Resources Institute und teilweise durch die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) Möglichkeiten, Auswirkungen auf die Biodiversität festzustellen und zu reduzieren.

 
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