Chancen und Grenzen des Biodiversitätsschutzes zeigten die Beiträge des zweiten Themenfeldes auf.
Udo Censkowsky, Geschäftsführer der Organic Services GmbH, führte dem Tagungspublikum das Wachstumspotential der Märkte für Biodiversitätsprodukte vor Augen. Deutlich wurde, dass in allen Sektoren, sei es Land- oder Forstwirtschaft, Kosmetik oder Pharmaindustrie, Biodiversitätsprodukte an Bedeutung gewinnen. Nichtsdestotrotz weisen Zertifikate mit niedrigeren Standards größere Wachstumsraten auf und profitieren insbesondere bei großen Unternehmen von der geringeren Notwendigkeit betrieblicher Anpassungen; so auch im Fall der Rainforest Alliance im Gegensatz zu Bio-Siegeln. Das Wachstum von Biodiversitätmärkten wird in den Erzeugerländern jedoch nicht zuletzt durch Markteintrittsbarrieren, wie z.B. den EU-VO Health Claims, und fehlendes Kapital kleiner Unternehmen gehemmt.
Frau Dr. Frauke Fischer zufolge, Leiterin der AG Wildlife, Conservation & Management, Universität Würzburg und Geschäftsführerin der Agentur AUF!, liegen die Grenzen des Biodiversitätsschutzes oftmals in der mangelnden Umsetzung der Maßnahmen im Unternehmen. Um diesem Problem entgegenzutreten, empfiehlt Fischer, die defizitäre Kommunikation zwischen Wissenschaft und CSR-Verantwortlichen der Unternehmen zu stärken und zu professionalisieren. Um erfolgreich Biodiversitätsschutz in das CSR-Management zu integrieren, müssten langfristige Strategien mit klaren Zielen und belastbaren Zahlen entwickelt werden, die Biodiversitätsaspekte in das Kerngeschäft einbinden.
Der Fokus der Tagung richtete sich im dritten Themenfeld spezifischer auf die Biodiversitäts-Performance von Unternehmen.
Die Arbeit der Ratingagentur oekom research, vertreten durch Herrn Rolf D. Häßler, bestätigte Frau Fischers Erkenntnisse, dass systematische Strategien zum Schutz der Biodiversität in Unternehmen nur selten anzutreffen seien. Auch eine strukturierte Berichterstattung über Biodiversitätsaspekte fehlt vielerorts. Oekom researchs Beitrag zur defizitären Informationssituation im Themenbereich Biodiversität liegt in der Entwicklung des Industry Biodiversity Risk Indexes (IBRI). Anhand einer brachenspezifischen Risikobewertung und -beschreibung für verschiedene Risikoklassen und -kategorien wird ein branchenspezifischer Risikoindex berechnet, welcher als Basis für ein aktives Biodiversitätsmanagement genutzt werden soll.
Stefan Hörmann vom Global Nature Fund verwies des weiteren darauf, dass bei den meisten vereinzelten Unternehmensmaßnahmen zum Schutz der Biodiversität kritisch zu hinterfragen ist, ob es sich um „ehrliches Engagement“ oder Greenwashing handelt und inwiefern das Kerngeschäft des Unternehmens in die Schutzbemühungen integriert wird. Er konstatierte, dass nicht gesellschaftlicher und politischer Druck, sondern das Interesse von Unternehmen, ihre Geschäftsgrundlage zu sichern, ehrliches Biodiversitätsengagement hauptsächlich antreiben würde.Auch Irina Detlefsen, CSR Managerin der HypoVereinsbank, verdeutlichte mit einer Umfrage unter den Teilnehmern im Vorfeld der Tagung, dass Biodiversität im Vergleich zum Klimawandel nur wenig Relevanz beigemessen wird und allenfalls das Thema der Ressourcenverknappung im Fokus der Unternehmen steht.
Im letzten Themenblock der Veranstaltung richtete sich der Blick auf Bemühungen des Biodiversitätsschutzes im Finanzsektor.
Die Allianz AG, vertreten durch Jürgen Weichert, hat die Auswirkungen auf die Biodiversität durch Unternehmen vor allem dann im Blick, wenn sich ihre Versicherungsnehmer durch so genannte „gefährliche Tätigkeiten“ auszeichnen. In diesem Fall greift seit 2007 das Umweltschadensgesetz, dem zufolge Unternehmen auch dann haften müssen, wenn kein unmittelbarer Schuldnachweis bei Schäden an der Biodiversität vorliegt. So ist es für den Versicherer in jüngster Zeit besonders wichtig, eine Analyse des Biodiversitätsrisikos seines Kunden zu erstellen.
Öffentliche Finanzinstitute, wie die KfW-Tochter Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG, legen laut Frau Dr. Susanne Schloemer für die Projekte, die sie finanziell unterstützen, konkrete Kriterien und Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz vertraglich mit ihren Kunden fest und überwachen und unterstützen ihre Einhaltung.
Die KfW Bankengruppe geht noch einen Schritt weiter. Sie strebt nicht nur an, Biodiversitätsschäden zu minimieren, sondern versucht unvermeidbare Schäden an der Biodiversität durch Ausgleichsmaßnahmen zu neutralisieren. Dazu stellte Daniel Skambracks das Business and Biodiversity Offsets Program (BBOP) vor, das einen konkreten Leitfaden zur Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen liefert.
Rege Diskussionen sowohl während des offiziellen Programms wie auch während der Pausen zeigten den hohen Informationsbedarf der Teilnehmer und die Notwendigkeit eines regen Austausches zum Thema Biodiversität und ihrer ökonomischen Bedeutung. Dabei standen konkrete Fragen zur Leistungsfähigkeit und Anwendbarkeit der vorgestellten Tools zur ökonomischen Bewertung der Biodiversität und der Performance von Unternehmen beim Biodiversitätsschutz im Vordergrund. Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Arbeit noch vor den Akteuren bei der (Weiter-)Entwicklung von benutzerfreundlichen Managementtools liegt, die dennoch die Komplexität des Gegenstandes Biodiversität widerspiegeln können. Die verschiedenen Initiativen, Ansätze und Konzepte in diesem Bereich verstärkt zu koordinieren und zu bündeln, war ein weiterer Ausblick am Ende des Konferenztages.