5. Was sagen die Befürworter zum geplanten Kanal?
Die Befürworter – überwiegend politische Entscheidungsträger und Bürokraten in den Anrainernationen am Toten Meer – sehen den Kanal als einzig nötige Maßnahme, um das Tote Meer zu retten. Durch den Kanal könne der Süßwasserbedarf in der Region gedeckt und das Austrocknen des Toten Meeres verhindert werden. Da es sich um eine gemeinsame Initiative der israelischen, jordanischen und palästinensischen Regierung handelt, ist der Kanalbau aus Sicht der Befürworter ein wichtiger Schritt zu Kooperation und Frieden im Nahen Osten.
6. Was sagen die Kritiker zum geplanten Kanal?
Skeptisch äußern sich regionale und internationale Umweltverbände, Wissenschaftler und Vertreter der Mineralgewinnungsindustrie am Toten Meer. Zwar unterstützen alle Parteien gemeinsame Bemühungen nach Lösungsvorschlägen zur Rettung des Toten Meeres. Allerdings müssten aus Sicht der Kritiker neben dem Friedenskanal auch weitere Optionen untersucht werden, wie ausreichend Wasser für Mensch und Natur in der Region zur Verfügung gestellt werden kann.
Kritik gibt es daher bereits an der Ausschreibung der Weltbank zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie. Darin sollen neben ökonomischen und sozialen Aspekten auch Umweltfragen untersucht werden. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf dem Kanalbau, Fragen nach den eigentlichen Ursachen für das Austrocknen und wie man ihnen beikommen kann, werden vernachlässigt. Somit wird die Studie lediglich in sehr vager Formulierung Auskünfte über dringend nötiges integriertes Wasser-Ressourcenmanagement liefern. Die eigentlichen Probleme - die beinahe vollständige Ableitung des Jordan, dem mit Abstand wichtigsten Zufluss des Toten Meeres und die Übernutzung des Wasserressourcen durch die Mineralgewinnungsindustrie im Süden des Salzsee - sind keine Themen der geplanten Studie.
Die Umweltstiftung Global Nature Fund und Friends of the Earth Middle East organisierten zahlreiche Diskussionsrunden und Expertengespräche in Israel, Jordanien und den palästinensischen Gebieten, um mit Regierungsvertretern, Wissenschaftlern und der betroffenen Bevölkerung mögliche Konsequenzen aus dem Kanalbau und alternative Lösungen für die dringenden Probleme am Toten Meer zu diskutieren. Klar wurde dabei, dass noch zahlreiche Fragen offen sind: