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Fragen und Antworten zum Friedenskanal

 

1. Warum ein Friedenskanal?
Der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt rapide um durchschnittlich einen Meter pro Jahr. Der Salzsee hat bereits ein Drittel seiner Oberfläche verloren. Dies hat dramatische Auswirkungen auf die einzigartige Ökologie und die wirtschaftliche Entwicklung am Toten Meer. Mit dem Bau einer (Salz-)Wasserleitung zum Toten Meer wird die Hoffnung verbunden, den Pegel des Tote Meers langsam wieder zu stabilisieren und somit den Tourismus, die Landwirtschaft und Mineralgewinnungsindustrie in der Region zu erhalten.


Das Gefälle vom Roten Meer zum Toten Meer, das 417 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, soll genutzt werden, um ein Wasserkraftwerk entlang des Kanals zu betreiben. Die gewonnene Energie soll zum Betrieb einer Entsalzungsanlage eingesetzt werden. Von 1.800 Millionen Kubikmeter Salzwasser jährlich soll die Hälfte zur Trinkwasserversorgung für Jordanien, Israel und die Palästinensischen Gebiete aufbereitet werden. Mit dem verbleibenden Konzentrat soll das Tote Meer aufgefüllt werden. Über weite Strecken ist der Friedenskanal eher eine Rohrleitung als ein offener Kanal, die sich über 175 km durch das Aravatal erstreckt.

 

Salzwasser soll vom Roten Meer in das Tote Meer gepumpt werden.

 

Der Vorschlag eines Kanals vom Mittelmeer bzw. vom Roten Meer zum Toten Meer (so genannter Med - Dead bzw. Red - Dead Canal) existierte schon seit Jahrzehnten. Die Initiative bekam neues Gewicht, als die Regierungen Israels und Jordaniens den so genannten Friedenskanal ("Peace Conduit") vom Roten zum Toten Meer auf dem Weltgipfel in Johannesburg im Jahr 2002 vorstellten. Mittlerweile unterstützen auch die Palästinensischen Behörden diesen Vorschlag.

 

2. Wie viel kostet der Bau des Friedenskanals?
Hierzu gibt es nur Schätzungen, da bisher lediglich erste Planungen ohne konkrete Machbarkeitsstudien und Ausschreibungen vorliegen. Der eigentliche Bau des Kanals wird auf ca. 1 Milliarde US Dollar geschätzt. Mit dem ebenfalls vorgesehenen Bau eines Wasserkraftwerks, einer Entsalzungsanlage und eines Verteilungsnetzes werden die Gesamtkosten nach ersten Schätzungen mindestens 5 Milliarden US Dollar betragen.

 

3. Wer soll den Kanal finanzieren?
Alle drei Anrainer am Toten Meer - Israel, Jordanien und Palästina - sind von dem Kanal direkt oder indirekt berührt und am Bau beteiligt. Der Kanal soll daher als „Friedens- und Entwicklungsprojekt" durch einen Fonds finanziert werden, der durch die Weltbank verwaltet wird. Internationale Geber und Staaten sollen den Fonds auffüllen. Bei geschätzten Baukosten von 5 Milliarden US $ steht offen, ob sich ausreichend Geber finden werden.

 

4. Wann wird der Kanal gebaut?
Es steht noch nicht fest, ob der Kanal gebaut wird. Erst im Dezember 2006 haben sich die USA, Japan, Frankreich und die Niederlande bereit erklärt, Gelder für die Durchführung einer 15 Mio. US $ teuren Machbarkeitsstudie bereit zu stellen. Die Weltbank ist verantwortlich für die Verwaltung dieses Fonds und die Ausschreibung der Machbarkeitsstudie.

 

Verlauf des geplanten Friedenskanals

 
Sollte die Studie zu einem positiven Ergebnis kommen, könnte gebaut werden, vorausgesetzt die politischen und finanziellen Bedingungen lassen dies zu. Ein Baubeginn vor 2011 scheint nicht wahrscheinlich, selbst unter der Annahme, es fänden sich schnell ausländische Geber, die die Kosten von ca. 5 Milliarden US-Dollar tragen.
 

5. Was sagen die Befürworter zum geplanten Kanal?
Die Befürworter – überwiegend politische Entscheidungsträger und Bürokraten in den Anrainernationen am Toten Meer – sehen den Kanal als einzig nötige Maßnahme, um das Tote Meer zu retten. Durch den Kanal könne der Süßwasserbedarf in der Region gedeckt und das Austrocknen des Toten Meeres verhindert werden. Da es sich um eine gemeinsame Initiative der israelischen, jordanischen und palästinensischen Regierung handelt, ist der Kanalbau aus Sicht der Befürworter ein wichtiger Schritt zu Kooperation und Frieden im Nahen Osten.

 

6. Was sagen die Kritiker zum geplanten Kanal?
Skeptisch äußern sich regionale und internationale Umweltverbände, Wissenschaftler und Vertreter der Mineralgewinnungsindustrie am Toten Meer. Zwar unterstützen alle Parteien gemeinsame Bemühungen nach Lösungsvorschlägen zur Rettung des Toten Meeres. Allerdings müssten aus Sicht der Kritiker neben dem Friedenskanal auch weitere Optionen untersucht werden, wie ausreichend Wasser für Mensch und Natur in der Region zur Verfügung gestellt werden kann.


Kritik gibt es daher bereits an der Ausschreibung der Weltbank zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie. Darin sollen neben ökonomischen und sozialen Aspekten auch Umweltfragen untersucht werden. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf dem Kanalbau, Fragen nach den eigentlichen Ursachen für das Austrocknen und wie man ihnen beikommen kann, werden vernachlässigt. Somit wird die Studie lediglich in sehr vager Formulierung Auskünfte über dringend nötiges integriertes Wasser-Ressourcenmanagement liefern. Die eigentlichen Probleme - die beinahe vollständige Ableitung des Jordan, dem mit Abstand wichtigsten Zufluss des Toten Meeres und die Übernutzung des Wasserressourcen durch die Mineralgewinnungsindustrie im Süden des Salzsee - sind keine Themen der geplanten Studie.


Die Umweltstiftung Global Nature Fund und Friends of the Earth Middle East organisierten zahlreiche Diskussionsrunden und Expertengespräche in Israel, Jordanien und den palästinensischen Gebieten, um mit Regierungsvertretern, Wissenschaftlern und der betroffenen Bevölkerung mögliche Konsequenzen aus dem Kanalbau und alternative Lösungen für die dringenden Probleme am Toten Meer zu diskutieren. Klar wurde dabei, dass noch zahlreiche Fragen offen sind:

 
  1. Wie sollen negative Folgen für das Tote Meer durch die Vermischung unterschiedlicher Salzwasser - allein der Salzgehalt im Toten Meer ist zehn Mal höher als im Roten Meer - verhindert werden (z.B. eine von israelischen Wissenschaftlern prognostizierte Gips- und Algenbildung im See)?
  2. Welche Gefährdung bedeutet die Wasserentnahme am Roten Meer für die dortigen Korallenriffe?
  3. Was geschieht bei einem Leck des Salzwasserkanals, der teilweise über wertvolle Grundwasserreserven führt?
  4. Was geschieht mit dem Kanal und dem Betrieb der Entsalzungsanlage und des Wasserkraftwerks, wenn das Tote Meer wieder den Normalpegel erreicht hat?
  5. Wird der Betrieb des Kanals und die Trinkwasserversorgung privatisiert? Wie sieht die Preisgestaltung für Trinkwasser in Anbetracht hoher Investitions- und Betriebskosten für die privaten Haushalte aus?
  6. Welche alternativen Maßnahmen planen die Anrainer, um das Tote Meer vor dem Austrocknen zu bewahren, falls der Machbarkeitsstudie negativ ausfällt bzw. der Bau des 5 Milliarden US-Dollar teuren Kanals an finanziellen Problemen scheitert?
  7. Wie sollen mit dem Rückgang des Wasserspiegels verbundene Auswirkungen wie der jährlich um einen Meter absinkende Wasserspiegel und täglich neu entstehende metergroße Dolinen (Sink Holes) schnell verhindert bzw. behoben werden, wenn mit dem Baubeginn des Kanals frühestens ab 2011 zu rechnen ist?

Kritiker befürchten, dass unabhängig von der möglichen Errichtung des Kanals das "business as usual" weitergeht. Das bedeutet: weitere Verbauung wertvoller Uferbereiche für den Tourismus, sorgloser Umgang mit den Wasserressourcen und Einleitung ungeklärter Abwässer in das Tote Meer. Seit langem fordern die Umweltschützer von Friends of the Earth Middle East die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklungsplanung anstelle eines unkontrollierten Wettbewerbs zwischen den Anrainern um knappe Ressourcen.

 

7. Verwendete Literatur und Links:

 
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