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5. Start und Konzept der Renaturierung

 

1988 brach ein seitlicher Damm an einem Wehr auf dem Abschnitt A 98 bis Beuren, von dem aus Landwirte früher Wiesen bewässerten. Es entstand ein Mäander in einem Maisfeld. Der BUND, der das an die Radolfzeller Aach grenzende Naturschutzgebiet Weitenried betreut, schrieb daraufhin an das Wasserwirtschaftsamt Konstanz:

 

"Das Wehr ist zu Ostern gebrochen. Dies war sicherlich ein Fingerzeig Gottes, dass der Fluss arbeiten soll. Sie als christliche Verwaltung haben dem Rechnung zu tragen." Sie tat’s: Das Regierungspräsidium Freiburg setzte sich das Ziel, die gesamte Radolfzeller Aach zu renaturieren. Das war in Baden-Württemberg eines der ersten Projekte zur ökologisch orientierten Gewässerentwicklung eines ganzen Flusses.

 

1989 vergab das Regierungspräsidium Freiburg den Auftrag, ein "Wasserwirtschaftlich-Ökologisches Entwicklungskonzept" zu erstellen. Begleitet wurde und wird das Projekt unter Federführung des Regierungspräsidiums Freiburg von einem Arbeitskreis mit gleichem Namen und der Abkürzung WÖK. In ihm sind vertreten:

  • Amt für Flurneuordnung und Landesentwicklung Radolfzell
  • Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband (BLHV)
  • Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg (BNL)
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
  • Gemeinden Bohlingen, Moos, Rielasingen-Worblingen, Steißlingen, Volkertshausen
  • Gewässerdirektion Ravensburg, später Rottweil
  • Hegegemeinschaft Hegauer Aach
  • Landratsamt Konstanz
  • Landwirtschaftsamt Stockach
  • Naturschutzbund Deutschland (NABU)
  • Städte Aach, Radolfzell und Singen.
 

6. Probleme und ihre Lösung

 

Bauernverband gegen Renaturierung: Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband war zunächst massiv gegen eine Renaturierung des Flusses und seiner Aue. Eine 1993 in Auftrag gegebene Agrarstrukturanalyse ergab jedoch: 670 Hektar könnten nach der Befragung der Landwirte für eine Renaturierung zur Verfügung stehen. Das entspräche bereits fast 50 Prozent der zur Umsetzung des Konzepts notwendigen Fläche von 1.425 Hektar. Fazit: Eine vollständige Umsetzung der Renaturierung wird nur langfristig möglich sein und: "Für die deutlich weniger flächenintensiven Maßnahmen am Gewässer ergeben sich allerdings günstigere Umsetzungsperspektiven." Inzwischen (2002) sind diese Perspektiven aufgrund des Rückzugs der Landwirtschaft aus der Fläche noch günstiger geworden.


Streubesitz: Die an der Radolfzeller Aach liegenden Flächen im Umfeld des Weitenrieds gehörten sehr vielen Besitzern. Davon überführte das Amt für Flurneuordnung und Landesentwicklung große Teile in öffentlichen Besitz. Weitere Flächen wurden vom Land gekauft.

 

Hochwassergefahr in Beuren: In Beuren befindet sich ein Stauwehr, mit dem Wasser aus der Aach zur Gewinnung von Strom abgeleitet wird. Der Ortschaftsrat von Beuren befürchtete hier die Ablagerung von Kies und Sand und damit höhere Wasserstände im Fluss. Da in Beuren Häuser dicht neben der Aach gebaut wurden, hätte nach starken Regenfällen Wasser in deren Keller laufen können. Nachdem die Verwaltung zugesagt hatte, vor Beuren einen Sedimentfang zu bauen, stimmte die Ortschaft Beuren der Renaturierung des Flusses oberhalb des Sedimentfangs zu.

 

Gasleitung unter der Aachsohle: Aufgrund eines Vertrages mit der Gewässerdirektion hat der Eigentümer der Leitung die Eigendynamik des Flusses zu akzeptieren.

 

Akzeptanz der Anwohner: Maßnahmen von der Größenordnung wie an der Radolfzeller Aach lassen sich nur im Konsens mit der Bevölkerung verwirklichen. Dazu dienen:

  • alle Beteiligten des Arbeitskreises begleiten das Vorhaben,
  • Pressearbeit,
  • Berichte im Singener Wochenblatt (Aachpost),
  • ein Projekt-Video, das an alle Schulen im Projektgebiet kostenlos verteilt wurde,
  • Hegauer Aachtage (1997 in Singen-Beuren, 2000 auf der Landesgartenschau in Singen, 2002 in Rielasingen-Worblingen),
  • ein 40 km langer Fluss-Erlebnispfad mit Informationstafeln von der Quelle bis zur Mündung,
  • Veröffentlichungen der Verwaltung (1991, 1994, 1996, 1997, 2000),
  • Berichte in Verbandszeitschriften (BUND, DUH),
  • Informationen an Entscheidungsträger über Erfolge (BUND, DUH),
  • ein Faltblatt (BUND und DUH),
  • zahlreiche Führungen für Interessierte,
  • eine wissenschaftliche Arbeit über die Auswirkungen auf die Vogelwelt im Auftrag der DUH,
  • Einstellung dieser Erfolgsgeschichte ins Internet des BUND und des GNF.
 
 

7. Zeitlicher Ablauf der Renaturierung

 

Abschnitt A 98 bis Beuren mit einer Länge von zunächst 1,2 inzwischen von 1,4 Kilometer Länge.

 

1988: Bruch eines Damms an einem Wässerwiesenwehr. Der seitliche Mäander löste auf 300 Metern (Abschnitt 2) weiteres Mäandrieren aus. Es entstanden Uferabbrüche und auf der gegenüberliegenden Seite Kiesinseln, Flutrinnen und kleine Altarme. Fallen Kiesinseln trocken, entwickeln sich Pionierpflanzen geradezu explosionsartig. Mitunter werden bei anhaltendem Hochwasser fast alle fortgerissen. Bis 2004 ist der Fluss dreimal so breit geworden wie vor 1988. Da der Besitzer dieser Fläche keinen Antrag auf Wiederherstellung seines Ackers gestellt hatte, unternahm die Verwaltung nichts. Seit der Novellierung des Wassergesetzes für Baden-Württemberg im Jahr 1995 besteht kein Recht auf Wiederherstellung des alten Zustands.

An die Mäanderstrecke schließt sich der 700 Meter lange kanalartige Abschnitt 3 an. Noch in den 1980er Jahren wurde er geräumt. Inzwischen bilden sich erste Kiesbänke. Seine Ufer sind zum Teil mit Steinen verbaut und mit ausgebaggertem Kies aufgefüllt. Am Ufer wachsen Bäume, Sträucher, Hochstauden und Wiesenpflanzen. Er wirkt relativ naturnah. Neu neben dem Fluss gepflanzte Bäume und Sträucher sollen sich zu einem kleinen Auenwald entwickeln.

 

1996 / 97: Bau eines Sedimentfangs am Ortsrand Beuren (Abschnitt 4). Dafür wurde neben dem kanalartigen Fluß ein 40 Meter langer, stark aufgeweiteter Mäanderbogen gebaut. Inzwischen hatten sich hier große Kiesinseln gebildet, die im Winter 2001 / 2002 ausgebaggert wurden, um den Weitertransport des Sediments bis zum Stauwehr unterhalb Beurens zu verhindern.

Aus dem alten geraden Fluss neben dem neuen wurde ein Altarm (Abschnitt 5), der über ein Rohr von 50 Zentimeter Durchmesser aus der Aach gespeist wird. Ein zweites Rohr zur besseren Versorgung des Altarms mit Wasser ist in Planung. Am Einfluss dieses Altarms in den Fluss wurde 2002 eine Kiesbank zum Altarm gebaut. Sie soll die Zuführung von Wasser in Trockenzeiten / Niedrigwasserperioden in den Ortsbach verbessern.

 

1996 / 97: Ersatz des Wässerwiesenwehrs durch eine Rauhe Rampe: Mit der Rauhen Rampe wird der Fluss daran gehindert, rückwärts zu erodieren, wodurch die Standsicherheit der Autobahnbrücke hätte gefährdet werden können. Die neue Sohlgleite ist aufgrund ihrer Konstruktion und einer Steigung von 1 : 20 für Fische und Kleinlebewesen durchgängig.

 

1996 / 97 Bau eines Doppelmäanders: Zwischen der neuen Sohlrampe und dem Standort des inzwischen abgebauten Wehrs erhielt die Aach ein neues 300 Meter langes Bett in Form eines Doppelmäanders (Abschnitt 1). Das neue Bett ist strukturreich und variiert in Breite, Tiefe, Substrat und Böschungsneigung. Neben einem Hochspannungsmasten auf der einen und einer Autobahnabfahrt auf der anderen Seite haben die Spezialisten das Ufer mit großen Felsbrocken gesichert. Daran schließen flussabwärts Ufer an, die rechtsseitig mit eingerammten Pfählen und Weidenfaschinen befestigt sind. Diese Weidenzweige trieben Wurzeln und Sprosse, die inzwischen zu mehreren Meter hohen Gehölzen herangewachsen sind. Die Gewässerdirektion hat auf beiden Seiten des Flusses kleinere Flächen locker mit Bäumen zur Begründung eines Auwalds bepflanzen lassen. Dazwischen wachsen Hochstauden und ein Dschungel von Brombeeren.

 

Während eines Hochwassers im Jahr 2000 brach das Ufer rechtsseitig auf 23 Meter Länge ab. Es entstand eine bei Hochwasser 80 Zentimeter hohe Steilwand und unterhalb davon eine Kiesinsel. Auf dem gegenüber liegenden Ufer hat das Wasser das Ufer ebenfalls erodiert, und unterhalb der Sohlgleite bildete sich eine weitere Kiesinsel. Neben dem Abschnitt 1 verläuft ein künstlicher mit Aachwasser gespeister Bach von etwa 200 Metern Länge, der ursprünglich zur Wiesenwässerung angelegt wurde.


1996 / 97: Beseitigung von Fischteichen im Bereich des Doppelmäanders: Mit Aachwasser gespeiste Fischteiche, aus denen Futterreste und andere problematische Stoffe in den Fluss gelangten, wurden beseitigt.

 

1999 / 2000: Anlage von Wässerwiesen auf früher dafür genutzter sechs Hektar Fläche. Bei Flutung entsteht auf diesen Wiesen ein Mosaik von verschieden hoch unter Wasser stehendem Grünland mit kleinen vegetationslosen oder veralgten Flächen und verschieden hohem Bewuchs. Für die Flutung der Wässerwiesen war es notwendig, den noch vorhandenen Graben von etwa 1,2 Kilometer Länge zu reaktivieren, der nun ständig Wasser führt.

Dies hatte die Aktivierung eines weiteren etwa 300 Meter langen Grabens zur Folge sowie den Bau der nötigen Stellfallen zur Wasserverteilung.

 

2001 / 2002: Anlage von Blänken: Blänken sind flache Vertiefungen in Wiesen und Viehweiden, in denen ganzjährig oder zeitweise Wasser steht. Neben der Aach wurden auf beiden Seiten 17 Blänken angelegt. Sie sind eine Nachahmung von extensiv genutzten Senken in Flussauen, die in großem Umfang zerstört wurden.

 

2003: Seit dem 20. Mai beweiden vier und seit 2004 sechs Heckrinder die Wässerwiesen oberhalb Beurens. Heckrinder ähneln dem ausgerotteten Auerochsen, der Stammform unserer Hausrinder. Heckrinder wurden von den Gebrüdern Heck aus alten Haustierrassen gezüchtet. Deshalb sind Heckrinder sehr genügsam, pflegeleicht und wenig krankheitsanfällig.

Darüber hinaus liefern sie ein hervorragendes Fleisch. Mit diesen Tieren wird ausprobiert, wie viele notwendig sind, um das nasse Grünland z.B. für Wat- und Wasservögel möglichst attraktiv zu machen.
 
 

8. Renaturierung von der Quelle bis zur A 98 und von Beuren bis zur Mündung

 

Extensivierung von Auengrünland der Stadt Singen.

 

Extensive Beweidung von ehemaligen Auewiesen mit Schwarzwälder Hinterwäldern. Dies ist eine bedrohte robuste Rinderrasse.

 

Ersatz von kleineren Sohlschwellen durch Sohlgleiten auf den Gemarkungen von Aach und Volkertshausen.

 

1996 / 1997: Maisacker wird urbanes Erholungsgebiet (Insel Wehrt). Förderung durch die Allianz Umweltschutzstiftung mit 850.000 Euro (Planungs- und Baukosten).

 

1998: Naturnahe Gestaltung in Singen auf 3 km Länge. Bau- und Grundstückskosten: 500.000 Euro.

 

1999 – 2004: Im Naturschutzgebiet "Radolfzeller Aachried" werden mit Hilfe von Grunderwerb Streu- und Nasswiesen wieder vernässt und extensiv genutzt. Ende 2003 werden zwei Flussschlingen entschlammt und wieder an den Fluss angeschlossen. Diese Mäander hatte die Verwaltung 1964 an ihrer engsten Stelle durchstochen. Kosten: Das Gesamtprojekt mit vielen Maßnahmen auch am Untersee des Bodensees hat 2.019.000 Euro gekostet, von denen die Europäische Union 50 Prozent übernommen hat und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vier Prozent (80.760 Euro).

 

2000 / 2001: Naturnahe Umgestaltung in Rielasingen-Arlen (Bereich Talwiesen).

 

2003: Zwischen Beuren und Hausen legt der BUND vier Blänken an. Kosten: 6.500 Euro.

 
2003: Bei Beuren wird das Stauwehr erneuert, das dem Aufstau der Aach und der Ausleitung eines Teils des Wassers dient. Das ausgeleitete Wasser betreibt eine Turbine zur Stromgewinnung. Zusammen mit der Erneuerung des Stauwehrs hat der Betreiber ein Gerinne bauen lassen. Dieses ermöglicht Fischen und anderen Wassertieren, die nicht fliegen können, die Umgehung des Wehrs. Damit ist der für Wassertiere wieder durchgängige Flussabschnitt in diesem Bereich 10 Kilometer lang.
 

2003: Zwischen Aach und Volkertshausen besteht die Aach aus einem Kanal, der Turbinen speist, mit viel Wasser und einem Fluss mit wenig Wasser. In der Talaue werden die alten Aachschlingen wieder ausgebaggert. Danach fließt hier bei Hochwasser viel Wasser.


2004: In dem Flussabschnitt zwischen Beuren und Hausen werden auf einer Seite fünf Buhnen in den Fluss gebaut. Buhnen sind Bauwerke, die im rechten Winkel zum Fluss gebaut werden. Werden sie auf beiden Seiten des Flusses angelegt, vertieft sich die Flusssohle. Werden sie – wie hier – nur auf einer Seite gebaut, erodiert die Strömung auf der gegenüberliegenden Seite das Ufer. Zur Beschleunigung dieses Vorgangs lassen die Wasserbauer dieses Ufer gegenüber den Buhnen aufweiten. Buhnen und Aufweitungen sind Initialzündungen zum Mäandrieren. Um Häuser von Hausen bei Hochwasser nicht zu gefährden, wird am Ende dieses 2,5 Kilometer langen Abschnitts eine 250 Meter lange Flussschlinge mit einem Sedimentfang gebaut, der ungefähr alle fünf Jahre ausgebaggert wird. Der bisherige Fluss wird zu einem durchströmten Altarm umgebaut. Kosten: 398.000 Euro. Davon kamen 40.000 Euro vom Regierungspräsidium Freiburg, 66.000 Euro von der Gewässerdirektion Rottweil und 10.000 Euro vom BUND.

 

Die in Kapitel 8 angeführten Kosten sind in Kapitel 9 nicht enthalten.

 
 

9. Kosten

 

Abschnitt A 98 bis Beuren

Nicht enthalten sind in dieser Aufstellung die Kosten für den Erwerb von Grundbesitz durch das Land Baden-Württemberg in der Talaue, die Extensivierung von Wiesenflächen, Erstellung von Gutachten und Plänen, Broschüren, Mittelerschließung, Öffentlichkeitsarbeit, Erfolgskontrolle, Aufstellung von Informationstafeln sowie die Kosten für den Aufwand der beteiligten Behörden, Kommunen und privaten Verbände. 

 
 

Sedimentfang Beuren

                    Planung und Bau

                    Grundstückkauf

 

Rauhe Rampe, Doppelmäander

                    Planung und Bau

                    Grundstückkauf

 

97.140,-- €

10.230,-- €

 

 

470.900,-- €

109.930,-- €

 

Wässerwiesen mit Zuleitung 

Pflege der Wässerwiesen (10 Jahre)    

Pflanzung von Gehölzen und deren Pflege (5 Jahre)  

17 Blänken          
Auswertung der Vogel-Bestandserfassungen     

Gesamt    

 

25.560,-- €
30.680,-- €
35.790,-- €
20.450,-- €
17.890,-- €
818.570,-- €

 
 
10. Träger der Kosten
 
Wasserwirtschaft B.W.    
Straßenbauamt Konstanz (Ausgleichsmaßnahmen)  
Stiftung Naturschutzfonds B.W. *)
Plenum Konstanz
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland B.W. 
Deutsche Umwelthilfe   
Gesamt 
 

688.200,-- €
92.020,-- €
16.110,-- €
16.360,-- €
4.090,-- €
1.790,-- €
818.570,-- €

 
*) Diesen Betrag erhielt die DUH von der Stiftung Naturschutzfonds (Baden-Württemberg) aus zweckgebundenen Erträgen aus der Glücksspirale.
 
 

11. Erfolge und Bewertung

 

Abschnitt A 98 bis Beuren

 

Seit Beginn der Renaturierung 1988 haben dort 11 Arten von Wat- und Wasservögeln gebrütet und 30 Arten traten als Gäste auf. Die Wässerwiesen zogen bevorzugt Bekassinen, Bruchwasserläufer und Waldwasserläufer an. Bekassinen haben hier gemausert und überwintert. Im Oktober 2002 hat sich der Biber angesiedelt. Er bringt mit dem Fällen von Bäumen eine große Vielfalt der Strukturen in das Gebiet. Aufgrund dieser und vieler weiterer Fakten kann auf eine insgesamt positiv dynamische Entwicklung von Lebensgemeinschaften der Pflanzen und Tiere geschlossen werden.

 

Mit der Renaturierung des Flusses vollziehen das Land Baden-Württemberg sowie BUND und DUH die rechtsverbindlichen Vorgaben der Europäischen Union, alle heimischen wildlebenden Vogelarten "auf einem Stand zu halten oder auf einen Stand zu bringen, der insbesondere den ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfordernissen entspricht." Dazu gehört u.a. die Wiederherstellung zerstörter Lebensstätten und die Neuschaffung von Lebensstätten. Auch die Wasserrahmen-Richtlinie der EU wird mit der Renaturierung umgesetzt.

 
 

12. Gründe für die Erfolge

 

Sie entsprechen denen von Uwe Brendle (1999) zusammengestellten Bausteinen für erfolgreiches Handeln: großes Engagement von Einzelpersonen, Einbindung der Bevölkerung, Durchsetzungsfähigkeit, Bildung einer Gewinnerkoalition, prominente Fürsprecher, personelle Kontinuität u.a. durch Projektmanager der Wasserwirtschaftsverwaltung, klare Projektziele, Anbindung an Förderprojekte, kritische Masse an Arbeitszeit und Geld und Akzeptanz durch Erfolge.

 
 

13. Perspektiven

 

Das Konzept der Verwaltung und der Naturschutzverbände sieht die Renaturierung der ganzen Radolfzeller Aach vor. Sie soll wieder ein von der Quelle bis zur Mündung für Wassertiere durchgängiger Fluß mit großer Eigendynamik werden. Als Ersatz für verloren gegangene Senken im Bereich früherer Überrschwemmungsflächen wird ein Netz von Teichen, Tümpeln und Blänken angelegt.

 

In Erlebniszonen bekommen Menschen wieder Kontakt mit ihrem Fluss und seiner Natur. Große Flächen der Talaue werden wieder extensiv genutzt, u.a. durch Beweidung mit Mutterkuh-Herden. Die Radolfzeller Aach wird Modellprojekt eines lebendigen Flusses für Europa und über den Global Nature Fund weltweit.

 
 

14. Dank

 

Für die kritische Durchsicht des Textes danken die Verbände Dr. Alois Kapfer (Gesellschaft für ökologische Landentwicklung), Anton Krüger (Stadt Singen) und Oliver Stenzel (Gewässerdirektion Rottweil).

 
 

15. Veröffentlichungen (Auswahl)

 

Brendle, U. (1999): Musterlösungen im Naturschutz – Politische Bausteine für erfolgreiches Handeln. Bundesamt für Naturschutz.

 

Engelhardt, W. (1973): Umweltschutz. Bayerischer Schulbuch-Verlag (München).

 

Kapfer, A. (2000): Das Wasserwirtschaftlich-Ökologische Entwicklungskonzept  Hegauer Aach. Eine Zwischenbilanz. Gewässerdirektion Südlicher Oberrhein /  Hochrhein, Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg und Regierungspräsidium Freiburg.

 

Regierungspräsidium Freiburg (1991): Radolfzeller Aach. Ein Wasserwirtschaftliches-Ökologisches Entwicklungskonzept.

 

Stegmaier, E. (1997): Radolfzeller Aach. Wasserwirtschaftlich-Ökologisches Entwicklungskonzept. Regierungspräsidium Freiburg und BNL Freiburg.

 

Thielcke, G. (2002): Auswirkungen der Renaturierung an der Radolfzeller Aach auf  Wat- und Wasservögel. Ökol. Vögel 24: 301 – 341.

 

Thielcke, G. (2003): Lebendige Radolfzeller Aach. Deutsche Umwelthilfe.

 
 
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